
Schätzungsweise vier Millionen Menschen in Deutschland leiden unter Herzschwäche, wobei etwa die Hälfte der Patient:innen an einer Herzschwäche mit erhaltener Pumpfunktion erkrankt ist. Über den Einfluss von Ausdauer- und Krafttraining auf den Verlauf dieser kritischen Erkrankung liefern wichtige Erkenntnisse eine umfassende Studie, die unter der Leitung von Wissenschaftler:innen des Deutschen Herzzentrums der Charité Berlin, der Universitätsmedizin Leipzig, der Universitätsmedizin Rostock und der TUM Universitätklinik München durchgeführt wurde. Die Ergebnisse dieser Forschung wurden im Journal Nature Medicine veröffentlicht.
Bei Herzinsuffizienz, auch als Herzmuskelschwäche bekannt, ist das Herz nicht in der Lage, den Körper ausreichend mit Blut, Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen. Mediziner:innen unterscheiden unabhängig von der Ursache zwischen zwei Formen: Die „Herzinsuffizienz mit reduzierter Auswurffraktion“ (HFrEF) und die „Herzinsuffizienz mit erhaltener Auswurffraktion“ (HFpEF). Während bei HFrEF der Herzmuskel nicht stark genug pumpt, bleibt bei HFpEF die relative Auswurfleistung im normalen Bereich, und das Herz kann nur unzureichend entspannen.
Studie zu körperlichem Training
Das Forschungsteam, angeführt von Prof. Frank Edelmann, Prof. Rolf Wachter, Prof. Burkert Pieske und Prof. Martin Halle, hat die Studie „Exercise training in Diastolic Heart Failure“ (Ex-DHF) durchgeführt, die an elf Standorten in Deutschland und Österreich stattfand. An der Studie nahmen 322 Patient:innen mit HFpEF teil, die entweder einem strukturierten Trainingsprogramm oder der üblichen medizinischen Versorgung zugewiesen wurden. Das Trainingsprogramm umfasste eine Kombination aus Ausdauer- und Krafttraining, bei dem die Teilnehmer:innen dreimal wöchentlich trainierten.
Das Training beinhaltete anfangs 30 Minuten moderates Fahrradfahren, das über drei Monate auf 60 Minuten gesteigert wurde, ergänzt durch Krafttraining. Der Erfolg des Trainings wurde über verschiedene Parameter wie Symptome, Belastbarkeit, Krankenhausaufenthalte und allgemeines Wohlbefinden bewertet. Es zeigte sich, dass nach einem Jahr Training keine signifikante Verbesserung des modifizierten Packer-Scores festgestellt werden konnte; jedoch verbesserten sich die Spitzen-Sauerstoffaufnahme und die NYHA-Klasse signifikant, was auf eine höhere Belastbarkeit und reduzierte Symptomatik hindeutet.
„Die Ergebnisse unserer Studie zeigen, dass körperliches Training die Belastbarkeit steigert, jedoch nicht verhindert, dass Patientinnen und Patienten wegen Herzschwäche ins Krankenhaus müssen“, sagt Prof. Rolf Wachter. „Wir empfehlen ein strukturiertes körperliches Training, da es sicher ist und die Leistungsfähigkeit verbessert“, ergänzt Prof. Burkert Pieske. Trotz der positiven Ergebnisse trainierten nur 48 Prozent der Patient:innen in der Trainingsgruppe mindestens zweimal pro Woche, was den größten Nutzen brachte.
Über den langen Zeitraum des Trainings stellte Prof. Martin Halle fest, dass die Herausforderung darin besteht, die Patienten zu motivieren, das Training über längere Zeiträume beizubehalten.
Zusätzlich wird im Rahmen der Forschung an weiteren Projekten zur Verbesserung der Lebensqualität von Patient:innen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes mellitus gearbeitet. Eine der Initiativen, das Projekt „Lebensstil-Intervention bei Koronarer Herzkrankheit und Diabetes“ (LeIKD), zielt darauf ab, kardiovaskuläre Risikofaktoren zu senken, indem die Gesundheitskompetenz der Teilnehmer gestärkt wird. Dieses Projekt umfasst ein personalisiertes Trainings- und Ernährungsprogramm und wird in verschiedenen Regionen Deutschlands umgesetzt, um die Lebensqualität der Patient:innen zu verbessern und langfristige gesundheitliche Vorteile zu erzielen, wie charite.de berichtet.