
Die Menschheit hat in den letzten fünf Jahrzehnten bemerkenswerte Spuren im Weltraum hinterlassen. Bald könnte diese materielle Hinterlassenschaft, bestehend aus abgestürzten und defekten Raumsonden, Landemodulen, Rovern sowie Erinnerungsstücken wie Fallschirmen und einem Hubschrauber, zum Thema interdisziplinärer wissenschaftlicher Diskussionen werden. Laut einem Artikel in der Frankfurter Allgemeine Zeitung sind auf dem Mars fast zehntausend Tonnen irdischen Materials zu verzeichnen, das aus 16 erfolgreichen und gescheiterten Missionen stammt. Auf dem Mond befinden sich etwa 200 Tonnen Material, darunter drei Mondautos sowie zwei Paar Moonboots von den Astronauten Neil Armstrong und Buzz Aldrin.
Diese Relikte sind jedoch nicht nur Überreste wissenschaftlicher Unternehmungen, sondern werden von einer interdisziplinären Gruppe amerikanischer Wissenschaftler in der Fachzeitschrift „Nature Astronomy“ als archäologische Funde und Teil des kulturellen Erbes der Menschheit eingestuft. Die Argumentation beruht auf der Bedeutung dieser Objekte in der Geschichte der menschlichen Erkundung anderer Planeten. Insbesondere der Einschlagkrater der gescheiterten sowjetischen Luna-2-Mission auf dem Mond und das Landungsgebiet der Apollo-11-Mission gelten als wichtige Orte, die in der Geschichte der Raumfahrt bedeutend sind.
Bedrohungen für das Weltraumerbe
Das Weltraumerbe ist jedoch gefährdet. Unterschiedliche Faktoren wie Verwitterung, Meteoriteneinschläge, Abstürze und die Vorstöße neuer Raumfahrtmissionen stellen eine ernsthafte Bedrohung dar. Die NASA hat bereits gefordert, dass neue Missionen einen gebührenden Abstand zu den historischen Apollo-Landestellen auf dem Mond einhalten. Roboter sollten diese Gebiete weiträumig umfahren, um mögliche Schäden an den wertvollen Relikten zu vermeiden.
Darüber hinaus ist die Verantwortung für diese Hinterlassenschaften rechtlich kompliziert. Nach dem Weltraumrecht von 1967 gehört der Grund und Boden im Weltraum niemandem, weshalb eine klare Regelung für den Umgang mit diesen Objekten fehlt. Zudem gibt es sowohl in der Erdumlaufbahn als auch auf anderen Himmelskörpern bedeutende Mengen an Weltraummüll. Jüngste Vorfälle wie der Absturz eines 500 Kilogramm schweren Trennrings einer ausgedienten Trägerrakete auf die Erde verdeutlichen die Dringlichkeit, im Weltraum aufzuräumen.
Ein weiterer Aspekt, der die Diskussion anheizt, ist die zunehmende Menge an Weltraummüll auf dem Mars. Laut einem Artikel von Planetary.org bleiben Landegeräte in der dünnen Marsatmosphäre oft vor Ort liegen, während sich Hitzeschilde weit vom Landepunkt entfernen. Hierbei ist die Skycrane, die die Rover Curiosity (2012) und Perseverance (2021) auf den Mars absenkte, besonders besorgniserregend, da sie nach dem Absenken in die Marsumgebung abstürzt und Raketentreibstoff freisetzen kann, was potenziell den Marsboden kontaminieren könnte.
Die zunehmende Ansammlung von Weltraummüll, inklusive fast 100 Säcken menschlichen Abfalls auf dem Mond, erfordert neue Richtlinien. Interdisziplinäre Teams aus Archäologie, Anthropologie, Astronomie und Geologie verfolgen das Ziel, die erhaltenen Artefakte als materielles Erbe der Menschheit zu dokumentieren und zu schützen. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, den Begriff „Weltraumerbe“ zu etablieren, um die Bedeutung dieser Relikte für die menschliche Geschichte zu würdigen und ihre Erhaltung zu sichern.