
Die Hoffnung auf den Durchbruch in der deutschen Flugtaxi-Branche hat einen Rückschlag erlitten. Lilium und Volocopter, zwei Unternehmen, die als Pioniere im Bereich der elektrischen Senkrechtstarter (eVTOL) gelten, haben Insolvenz angemeldet und setzen nun auf einen Neustart. Dies berichtet Welt.
Während das Interesse an eVTOL-Projekten in Ländern wie China und den USA zunimmt, sieht sich der eVTOL-Lufttaxi-Sektor in Deutschland mit massiven finanziellen Schwierigkeiten konfrontiert. EHang, ein chinesisches Unternehmen, hat einen Umsatzanstieg von fast 300 % auf knapp 60 Millionen Euro verzeichnet. Gleichzeitig sammelte der US-Rivale Archer kürzlich 430 Millionen Dollar und arbeitet mit Anduril an einem Hybridmodell für den Militärmarkt.
Rettungsversuche und Investoren
Lilium hat bereits einen Investor gefunden, die Münchner MUC Mobile Uplift Corporation GmbH, die Vermögenswerte aus der Insolvenz aufkaufen möchte. Im Rahmen eines Rettungsplans benötigt Lilium mindestens 200 Millionen Euro frisches Kapital, wobei Details zu neuen Investoren aus Europa und den USA durchgesickert sind. Altaktionäre und Gläubiger könnten ebenfalls eine Rolle spielen.
Der Gläubigerausschuss muss dem Neustart zustimmen, während das Geschäft von Lilium bis zur Klärung der Situation ruht. Klaus Röwe bleibt CEO des Unternehmens, doch Experten äußern Zweifel daran, ob 200 Millionen Euro für einen langfristigen Betrieb ausreichen. Lilium plant, eine Bürgschaft aus Bayern zu beantragen, und der bemannte Erstflug könnte sich auf das erste Quartal 2025 verschieben.
Insgesamt hat Lilium 1,5 Milliarden Euro von Investoren eingesammelt, jedoch noch kein bemanntes Flugzeug vorgestellt. Bei einem möglichen Neuanfang wird erwartet, dass Lilium mit 775 Mitarbeitern beginnen könnte, statt der ursprünglich eingeplanten 1.000.
Volocopter hingegen hat ebenfalls Insolvenz angemeldet und kämpft mit Geldmangel. Am 26. Dezember 2024 wurde das Unternehmen vom Amtsgericht Karlsruhe in Deutschland unter Verwaltung gestellt, wie New Atlas berichtet. Das 2011 gegründete Unternehmen hat in über einem Jahrzehnt beeindruckende Fortschritte in der Entwicklung von Multirotorflugzeugen und der entsprechenden Infrastruktur erzielt, darunter Testflüge in Helsinki, Singapur und Südkorea.
Trotz der aktuellen Schwierigkeiten plant Volocopter, während des vorläufigen Insolvenzverfahrens weiterhin Geschäfte zu tätigen und sucht bis Februar nach neuen Investoren. Dirk Hoke, CEO von Volocopter, hebt hervor, dass das Unternehmen in Technologiefortschritten sowie in Flugtest- und Zertifizierungsfragen führend ist und daher für Investoren nach wie vor attraktiv bleibt.
Die gegenwärtige Situation beider Unternehmen verdeutlicht die Herausforderungen, mit denen Investitionen in Technologien im deutschen Markt konfrontiert sind. Inzwischen bleibt abzuwarten, ob sie ihre Pläne zur Marktzulassung, Volocopter noch in diesem Jahr und Lilium erst 2026, erfolgreich umsetzen können.