
Wissenschaftler an der Ruhr-Universität Bochum forschen intensiv an den Mechanismen, die das Lernen und Verlernen von Furcht beeinflussen. In ihrer aktuellen Studie, die am 6. Januar 2025 veröffentlicht wurde, widmet sich Dr. Katharina Spoida den Veränderungen im Gehirn, die nach traumatischen Erfahrungen bei Betroffenen auftreten. Diese Forschung zeigt, dass die Verknüpfung zwischen neutralen Reizen und Angst oft nicht gelöst werden kann, was kritisch für die Behandlung von Posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) ist, wie dasgehirn.info berichtet.
Eine Schlüsselrolle in diesem Prozess spielt die Amygdala, die bekannt dafür ist, Furcht zu verarbeiten. Zudem haben Serotonin und seine Rezeptoren eine bedeutende Funktion in der Signalübermittlung an Nervenzellen. Um diese komplexen Zusammenhänge besser zu verstehen, nutzen die Forschenden genetisch veränderte Mäuse, die keinen Serotoninrezeptor 5-HT2C besitzen. Diese sogenannten Knock-out-Mäuse zeigen eine reduzierte Angst und lernen schneller, dass ein neutraler Ton kein Anlass zur Furcht ist.
Neue Ansätze zur Behandlung von PTBS
Die Analyse der neuronalen Aktivität in verschiedenen Gehirnregionen, wie dem dorsalen Raphe-Kern (DRN) und dem Bett-Kern der Stria terminalis (BNST), verdeutlicht die unterschiedlichen Lerneffekte bei männlichen und weiblichen Mäusen. Dies ist besonders relevant angesichts der Tatsache, dass mehr Frauen an PTBS erkranken. Innovative Techniken wie die Optogenetik ermöglichen es, gezielt Nervenzellen zu aktivieren oder zu hemmen, was die Möglichkeiten zur Behandlung dieser Störung erweitern könnte.
Eine Hemmung der CRF-Nervenzellen bei Knock-out-Mäusen führt zu einer Verlangsamung des Verlernens von Furcht, während die Aktivierung dieser Zellen bei Wildtyp-Mäusen diesen Prozess beschleunigt. Interessanterweise zeigt sich eine erhöhte Aktivität im angstlösenden Bereich des BNST bei den Knock-out-Mäusen. Diese Erkenntnisse könnten langfristig die medikamentöse Behandlung von PTBS verbessern, indem geschlechtsspezifische Unterschiede stärker berücksichtigt werden.