
Am Staatstheater Nürnberg feierte gestern die Inszenierung von „Die Dreigroschenoper“ Premiere. Diese Neuinterpretation des Klassikers von Bertolt Brecht, in der Regie von Jens-Daniel Herzog, zeigt sich als aufgekratztes Boulevardtheater. Die Aufführung kommt dabei leicht und humorvoll daher, als ob sie die oft dramatischen und schmutzigen Elemente der Vorlage ignoriert. Laut Merkur vermeidet die Inszenierung eine tiefgehende Auseinandersetzung mit den zentralen gesellschaftlichen Themen Brechts und Weills.
Das Bühnenbild, gestaltet von Mathis Neidhardt, kombiniert mit dem Kostümdesign von Sibylle Gädeke, schafft ein historisierendes Setting. Hervorzuheben ist die spannende Verwendung einer hochkant gestellten Drehbühne, die eine 360-Grad-Rotation ermöglicht. Dies verleiht der Rolle des Mackie Messer, gespielt von Nicolas Frederick Djuren, eine besonders dynamische Note. Am Ende wird Mackie sogar als eine Art schwarzer Messias aufgehängt, was auf eine tiefere Symbolik hindeutet.
Humor und Komödie
Die Inszenierung setzt auf humorvolle Elemente, darunter ein steppendes Pferd und eine Begattungsmusik. Chloë Morgan brilliert in ihrer Rolle als Lucy und zeigt beeindruckendes komödiantisches Talent. Diese Leichtigkeit steht im Kontrast zu den tatsächlichen gesellschaftlichen Themen, die Brecht und Weill in der Originalversion ansprechen. Die Bezüge zur Kriminalität, Gewalt und der Dunkelheit der urbanen Gesellschaft, die in der Ursprungsfassung zentral waren, treten hier eher in den Hintergrund.
Das Publikum reagierte begeistert auf die Darbietungen. Besonders die finale Applausrunde, begleitet von dem bekannten Messer-Song und einem Klatschmarsch, verdeutlicht, wie gut die Inszenierung ankam. Dabei bleibt die Frage, ob Brecht und Weills Intentionen – eine kritische Reflexion über die gesellschaftlichen Missstände der Weimarer Republik zu fördern – in dieser lockeren Fassung bewahrt werden konnten.
Gesellschaftlicher Kontext
Die „Dreigroschenoper“ wurde ursprünglich am 31. August 1928 uraufgeführt und gilt als größter Theatererfolg der zwanziger Jahre. Sie thematisiert die dunkle, kriminelle Seite der großstädtischen Welt und ist dabei tief in den gesellschaftlichen Problemen der damaligen Zeit verwurzelt. Diese Zeit war geprägt von hohen Reparationszahlungen nach dem Ersten Weltkrieg, sowie einer hohen Arbeitslosigkeit und weit verbreiteter Gewalt und Prostitution. Brecht ausgehend von diesen sozialen Missständen, wollte mit seinem Werk das einfache Volk ansprechen, dem es oft an Ressourcen fehlte, um teure Theaterkarten zu kaufen.Lederberg hebt hervor, dass Brechts politische Ansichten in dieser Zeit im Kontext der Verfolgung von Kommunisten ihre Wirkung fanden.
Die Relevanz der Themen aus der „Dreigroschenoper“ ist unbestritten. Brechts episches Theater hat das Ziel, das Publikum zur kritischen Reflexion über gesellschaftliche Zustände anzuregen, anstatt sie in eine illusionäre Welt zu ziehen. Diese Absicht könnte durch die Gestaltung der aktuellen Inszenierung in Nürnberg möglicherweise verwässert worden sein, wie auch DHM anmerkt. Was bleibt, ist die Frage, wie diese Inszenierung in die lange Tradition brechtscher Theateraufführungen passt und welche gesellschaftlichen Botschaften sie letztlich vermittelt.