
Die italienische Großbank Unicredit hat einen weiteren Schritt in Richtung möglicher Kontrolle über die Commerzbank unternommen. Sie meldete beim Bundeskartellamt ihren Einstieg zur Prüfung an. Ziel ist der Erwerb von bis zu 29,99 Prozent der Anteile an der Commerzbank. Das Bundeskartellamt hat nun bis zu einem Monat Zeit, um die Auswirkungen dieser Minderheitsbeteiligung auf den Wettbewerb zu analysieren. Die Behörde weist darauf hin, dass eine vertiefte Prüfung bis zu vier Monate in Anspruch nehmen könnte, sollte weitere Klärung notwendig sein. Bereits seit September 2024 hält Unicredit 9 Prozent der Commerzbank-Anteile direkt, ergänzt um etwa 18,6 Prozent über verschiedene Finanzinstrumente, was insgesamt gut 28 Prozent ergibt. Dies kann als gezielte Strategie angesehen werden, um mehr Einfluss in der deutschen Bankenlandschaft zu gewinnen, da über 30 Prozent eine gesetzliche Verpflichtung zur Abgabe eines Übernahmeangebotes mit sich bringen würde, was derzeit noch nicht besteht.
Doch der Schritt wird von der Commerzbank und weiteren Akteuren in der Finanzwelt kritisch gesehen. Die Commerzbank möchte eigenständig bleiben und betrachtet das Vorgehen von Unicredit als feindlich. In einer ablehnenden Haltung unterstützen nicht nur das Management der Commerzbank, sondern auch der Betriebsrat, Gewerkschaften und die Bundesregierung den Widerstand gegen Unicreds Bestrebungen.
Wettbewerbsrechtliche Prüfung und regulatorische Aufsicht
Das Bundeskartellamt wird jetzt prüfen, inwiefern die geplante Beteiligung von Unicredit Auswirkungen auf den Wettbewerb haben könnte. Parallel zu diesen Entwicklungen untersucht die europäische Bankenaufsicht der EZB die Eignung der Investoren, da Unicredit einen erheblichen Anteil an der Commerzbank erwerben möchte. Die EZB spielt eine entscheidende Rolle, insbesondere wenn es um die Kontrolle von Banken mit starkem Einfluss geht.
Im Kontext dieser Ereignisse wird auch ein anstehendes Überarbeiten des europäischen Kartellrechts relevant. Die Europäische Kommission plant, die bestehenden Leitlinien für den Umgang mit Wettbewerbern zu überarbeiten, was möglicherweise gleichfalls Auswirkungen auf die laufenden Verfahren haben könnte. Insbesondere die neuen Horizontallinien zur Wettbewerbsregulierung könnten dafür sorgen, dass transparente Geschäftsbeziehungen zwischen Banken in Europa gefördert werden, während gleichzeitig Wettbewerbsbeschränkungen vermieden werden sollen. Diese Regelungen könnten die Voraussetzungen für die Unterscheidung zwischen zulässigen und verbotenen Praktiken festlegen.
Die Commerzbank sieht sich zudem zunehmend unter Druck, ihre Marktposition zu stärken. Um den Börsenkurs zu steigern und potenzielle Übernahmepreise nach oben zu treiben, plant das Management der Commerzbank, bis zu 3.900 Stellen abzubauen. Die Ankündigung dieser Maßnahmen zeigt, wie ernst die Bank die Entwicklungen im Zusammenhang mit Unicredit nimmt.
Zusammenfassend bleibt die Frage, wie sich diese Situation entwickeln wird. Die Unicredit, angeführt von Vorstandschef Andrea Orcel, strebt eine vollständige Übernahme der Commerzbank an. Die kommenden Entscheidungen der Regulierungsbehörden könnten entscheidend dafür sein, ob dieser Plan voranschreiten kann oder ob die Commerzbank sich erfolgreich gegen den Einfluss der italienischen Bank zur Wehr setzen kann.
Ein klarer Blick auf die Dynamik in der Bankenlandschaft ist unerlässlich. Die kommenden Wochen und Monate werden zeigen, ob die regulatorischen Rahmenbedingungen eine weitere Konsolidierung im Bankensektor zulassen oder ob sie als Schutzmechanismus fungieren.
Die aktuellsten Entwicklungen zur Übernahme und Wettbewerbsprüfung können im Detail auf Tagesschau sowie bei Augsburger Allgemeine nachgelesen werden.