
Der neue Bundestag spiegelt den demografischen Wandel in Deutschland wider: Der Anteil der Abgeordneten mit Migrationshintergrund liegt nun bei 11,6 Prozent. Im Bundestag von 2021 belief sich dieser Wert auf 11,3 Prozent. Laut ZVW umfasst der Begriff „Migrationshintergrund“ Personen, die bei Geburt nicht die deutsche Staatsangehörigkeit besaßen oder mindestens einen Elternteil in dieser Situation haben. Dies macht den neuen Bundestag zu dem Bundestag mit dem höchsten Anteil an Abgeordneten mit Migrationshintergrund bisher.
Besonders hervorzuheben ist, dass die Grünen-Fraktion mit 20 Prozent den größten Anteil an Abgeordneten mit Migrationshintergrund hat, gefolgt von der Linken mit 18,8 Prozent und der SPD mit 17,5 Prozent. Die CDU und CSU zeigen mit 6,3 Prozent ebenfalls eine Steigerung gegenüber dem vorherigen Bundestag, der nur 4,1 Prozent vorzuweisen hatte. Während die AfD mit 5,9 Prozent den geringsten Anteil aller Fraktionen hat, ist dies ein Rückgang im Vergleich zu 7,2 Prozent im alten Bundestag. Wie ZVW berichtet, stammen mehr als ein Drittel der Abgeordneten mit Migrationshintergrund aus EU-Ländern. Zudem haben 18 Abgeordnete einen Bezug zur Türkei und acht zur ehemaligen Sowjetunion.
Die Stimmen der Abgeordneten
Die Zahl der Abgeordneten mit Migrationshintergrund ist somit auf 73 gestiegen; 53 von ihnen haben die Wahl über Listenplätze gewonnen, während 20 als Direktkandidaten ins Parlament eingezogen sind. Misbah Khan, eine Abgeordnete der Grünen, äußerte kürzlich ihre Enttäuschung über den vergleichsweise niedrigen Anteil an Abgeordneten mit Migrationshintergrund im Bundestag im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung, die laut Mikrozensus 2023 einen Anteil von 29,7 Prozent ausweist. Khan spricht sich gegen eine Migrantenquote aus, fordert jedoch mehr Durchlässigkeit im politischen System und eine andere Ansprache der Themen.
Besonders interessant sind die Biografien vieler dieser Abgeordneten, wie Stuttgarter Zeitung feststellt. Sie erzählen von Ausdauer und dem Überwinden von Ausgrenzung. Ein bemerkenswertes Beispiel ist der SPD-Abgeordnete Josip Juratovic. Juratovic, der 1974 im Alter von 15 Jahren mit seiner Mutter aus Kroatien nach Baden-Württemberg kam, bezeichnet sich als den letzten und einzigen Gastarbeiter im Bundestag. Er ist ein Beispiel für den Aufstieg durch Bildung und den Willen, Herausforderungen zu meistern.
Ein Blick in die Zukunft
Diese Entwicklung im Bundestag zeigt nicht nur die fortschreitende Diversifizierung des politischen Systems, sondern wirft auch einige Fragen auf, wie im Kontext einer zunehmend multikulturellen Gesellschaft das politische Engagement gesteigert werden kann. Die Biografien dieser Abgeordneten sind nicht nur Geschichten des Erfolgs, sondern auch der Herausforderungen, mit denen viele Migranten konfrontiert sind. Der Weg zur politischen Repräsentation ist lange und von vielen Hürden geprägt, doch die Ergebnisse lassen hoffen, dass die Stimmen dieser Abgeordneten verstärkt wahrgenommen werden und in der politischen Landschaft Gehör finden.
Für weitere Informationen zur Entwicklung der Migrationshintergründe im Bundestag und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft können Interessierte die umfassenden Daten zur Bundestagswahl 2021 auf der Webseite des Mediendienst Integration einsehen: Mediendienst Integration.