
In Essingen, einer Gemeinde im Ostalbkreis, zeichnet sich ein interessantes Kapitel in der Verkehrsgeschichte ab. Nach fast vier Jahrzehnten der Inaktivität soll der Bahnhalt wieder reaktiviert werden. Der letzte planmäßige Personenzug hielt hier am 28. Mai 1989. Die Reaktivierung des Bahnhalts wurde von Landrat Dr. Joachim Bläse und Verkehrsminister Winfried Hermann abgesegnet und enthüllt dabei sowohl vielschichtige Pläne als auch einige Herausforderungen.
Das Bahnhofsgebäude, datiert auf das Jahr 1861, hat historischen Wert, steht jedoch vor der dringenden Notwendigkeit von Sanierungen und Modernisierungen. Die Pläne sehen einen Ticketautomaten vor, während der klassische Bahnschalter nicht wieder in Betrieb genommen wird. Für den Zugverkehr sind in Essingen drei Gleise vorgesehen, von denen zwei aktiv genutzt werden, während das dritte stillgelegt ist. Machbarkeitsstudien schlagen vor, dass am stillgelegten Gleis 1 der Ausstieg in Fahrtrichtung Aalen und am Gleis 2 in Richtung Stuttgart erfolgen könnte.
Infrastruktur und Mobilität
Um den neuen Bahnhalt zu ermöglichen, sind umfassende Infrastrukturmaßnahmen geplant. Ein neuer Bahnsteig sowie ein Steg für Fußgänger und Fahrradfahrer sollen errichtet werden. Darüber hinaus ist die Parkplatzsituation angespannt. Ein mehrstöckiges Parkhaus für bis zu 200 Fahrzeuge wird angedacht, wobei Grundstücke dafür nur teilweise im Gemeindebesitz sind. Ein direktes Zugang zum Bahnhalt ist aufgrund des vierspurigen Ausbaus der B 29 nicht möglich, weswegen Überlegungen für einen Steg über die Bundesstraße bestehen. Autofahrer erreichen den Bahnhalt über die neue B-29-Brücke und das Gewerbegebiet Sauerbach.
Die finanziellen Aspekte der Reaktivierung sind derzeit noch unklar. Zuschüsse von Bund und Land werden erwartet, um die Kosten zu decken. Die Gemeinde plant zudem, dass der Klinikneubau in Essingen in acht Jahren in Betrieb gehen soll; der Bahnhalt sollte bis zu diesem Zeitpunkt ebenfalls wiedereröffnet werden. Ein konkreter Zeitplan für die Umsetzung liegt derzeit noch nicht vor. Darüber hinaus gibt es Überlegungen, einen weiteren Bahnhalt in Hussenhofen zu realisieren, jedoch hat der Bahnhalt in Essingen prioritären Status.
Historischer Kontext und Bedeutung
Die Problematik um die Reaktivierung von Bahnhöfen ist nicht neu. Zwischen 1999 und 2019 trennte sich die Deutsche Bahn von 2.250 sanierungsbedürftigen Empfangsgebäuden, die häufig jahrelang geschlossen blieben und verwahrlosten. Essingen könnte jedoch von positiven Beispielen anderer Bahnhöfe profitieren, die durch privates Engagement revitalisiert wurden. Projekte wie der Bürgerbahnhof in Cuxhaven oder der KulturBahnhof in Kassel zeigen, wie Bahnhöfe als Orte der Begegnung und Kultur umgestaltet werden können. Solche Initiativen tragen maßgeblich zur Aufwertung von Stadt und Mobilität bei.
Auch in Brandenburg gibt es mit der Kompetenzstelle Bahnhof beim VBB einen zentralen Ansprechpartner für die Instandsetzung und den Betrieb von Bahnhöfen. Ähnliche Ansätze könnten auch in Essingen helfen, die Herausforderungen bei der Reaktivierung des Bahnhalts zu bewältigen. In einer Zeit, in der Mobilität und öffentliche Räume besonders im Fokus stehen, könnte der Essinger Bahnhalt als ein wichtiges Element in der regionalen Verkehrsinfrastruktur aufblühen.