
Die digitale Infrastruktur in Deutschland steht seit Jahren in der Kritik. Im Bundestagswahlkampf 2021 wurde das Thema des Breitbandausbaus heiß diskutiert, während es im Wahlkampf 2023 weniger Beachtung fand. Bürger und Digitalexperten äußern sich besorgt über die mangelhafte Internetversorgung, insbesondere nach 16 Jahren unter Angela Merkel (CDU), in denen veraltete Kupferkabel vorherrschten. Schnelles Internet blieb oft ein Fremdwort, vor allem in ländlichen Gebieten. Eine Untersuchung von 2018 stellte fest, dass Deutschland im Mobilfunk sogar langsamer ist als Albanien, was die Dringlichkeit des Themas verdeutlicht.
Um diesem Missstand entgegenzuwirken, kündigte die Ampelregierung (SPD, Grüne, FDP) im Jahr 2023 die „Gigabitstrategie“ an. Das ambitionierte Ziel dieser Strategie ist es, bis 2030 flächendeckend Glasfaseranschlüsse sowie den Mobilfunkstandard 5G bereitzustellen. Insbesondere bis Ende 2025 soll sich die Zahl der Glasfaseranschlüsse verdreifachen. Eine flächendeckende Sprach- und Datenkommunikation im Mobilfunk soll bis 2026 Realität werden.
Internetanbieter und die Herausforderungen des Ausbaus
Trotz der Ambitionen bleibt der Fortschritt fraglich. Deutschland belegt im „Speed Global Index“ von Ookla den 56. Platz von 152 Ländern, mit einem Durchschnitt von 94,78 Mbps. Im mobilen Internet rangiert die Bundesrepublik ebenfalls auf Platz 56, während die Vereinigten Arabischen Emirate mit Geschwindigkeiten von 545,94 Mbps führend sind. Laut einer Umfrage von Deloitte surfen nur 27% der Befragten in Deutschland mit Geschwindigkeiten von mindestens 250 Mbps.
Der Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM) sieht den 5G-Ausbau zwar als gut vorangeschritten, kritisiert jedoch die langwierigen Genehmigungsverfahren, die häufig den Fortschritt behindern. Vorwürfe, die Deutsche Telekom behindere den Glasfaserausbau durch ihre Wettbewerber strategisch, werden von der Telekom zurückgewiesen. Sie argumentiert, dass in nur 2-3% der Fälle ein echter Doppelausbau vorkommt und nennt Genehmigungsverfahren sowie hohe Baukosten als weitere Hindernisse.
Vergleich mit Europa
Der Blick über die Grenzen zeigt, dass der Breitbandausbau in Europa ein viel diskutiertes Thema ist. Der Europäische Raum sieht deutliche Unterschiede im Fortschritt des Ausbaus. Im Jahr 2022 gab es etwa 67 Millionen FTTH-Anschlüsse in Europa, und dieser Wert soll bis 2024 auf rund 94 Millionen steigen. Laut der EU-Strategie Europa 2020 sollten bis 2020 mindestens 50% der Haushalte ultraschnelle Breitbandverbindungen nutzen. Hierbei stehen insbesondere Länder wie Schweden und Dänemark gut da, während Staaten wie Griechenland und Italien hinterherhinken.
In Deutschland gibt es zurzeit nur 8,2 Millionen Glasfaseranschlüsse. Im Vergleich zu Spanien, das Ende des zweiten Quartals 2022 bereits 64,5 Millionen Anschlüsse registrierte, ist Deutschland weit zurück. Die Gründe für den Rückstand sind vielfältig: ein hochentwickeltes Kabel- und Kupfernetz, etablierte Anbieter, die Investitionen in Glasfaser scheuen, und eine fehlende Regulierung, die Open-Access-Netze begünstigen würde.
Angesichts dieser Herausforderungen bleibt abzuwarten, ob die vorgestellten Strategien ausreichen, um Deutschland im digitalen Wettbewerb zu stärken und eine flächendeckende Internetversorgung zu gewährleisten. Während der Druck auf die Politik wächst, könnten neue Initiativen und Technologien den Weg in eine digitalisierte Zukunft ebnen.
Für weitere Informationen und Hintergründe zur digitalen Infrastruktur in Deutschland können Sie die Berichterstattung auf LVZ sowie auf broadbandmapping.eu und glasfaser-internet.info besuchen.