
In der kleinen Gemeinde Essingen, etwa 80 Kilometer östlich von Stuttgart gelegen und mit circa 6.500 Einwohnern, tobt ein Streit um den ersten Dönerladen der Stadt. Junge Essinger haben eine Unterschriftenaktion initiiert, um die Eröffnung eines Dönerimbisses zu unterstützen. Diese Maßnahmen kommen zu einem Zeitpunkt, als der Gemeinderat bereits alle bisherigen Anträge für einen Imbiss abgelehnt hat.
Die Emotionen sind hoch, insbesondere nach Protesten von Anwohnern gegen einen geplanten Dönerimbiss. Die Bedenken reichen von Lärm über Gerüche bis hin zu Abfallproblemen. Bürgermeister Wolfgang Hofer, der seit 25 Jahren im Amt ist, zeigt sich jedoch optimistisch und unterstützt die Idee eines Dönerladens. „Die Menschen haben das Bedürfnis nach einem Döner, und wir müssen eine Lösung finden“, sagte Hofer. Anwohner und Gemeinderat haben sich bisher gescheut, einen Antrag zu genehmigen, der von einem türkischen Gastronom gestellt wurde. Die „Bild“-Zeitung bezeichnet Essingen bereits als mögliche „erste Döner-freie Stadt“ Deutschlands, was die Debatte weiter anheizt.
Das Anliegen der Jugendlichen
Der Schüler Lucas Fuchs ist der Kopf hinter der Online-Petition, die bereits 900 Unterschriften gesammelt hat, mit dem Ziel, 1.000 zu erreichen. Fuchs fordert, dass die Geschichten und Meinungen der Jugendlichen ernst genommen werden. Er betont, dass Essingen keinen eigenen Dönerimbiss habe und die nächstgelegene Stadt mit einem solchen Angebot, Aalen, mindestens 30 Minuten mit dem Bus entfernt sei.
Hofer berichtet, dass er in den letzten Wochen wegen des Themas zahlreiche Radiointerviews gegeben hat. Diese Medienpräsenz könnte dazu beitragen, den Druck auf den Gemeinderat und die Anwohner zu erhöhen, die Diskussion neu zu führen. Verschiedene Betreiber von Dönerbuden aus ganz Süddeutschland haben bereits Interesse an einer Eröffnung in der Gemeinde signalisiert.
Wolfgang Hofer: Ein langjähriger Bürgermeister
Wolfgang Hofer feierte am 9. Juli sein 25-jähriges Jubiläum als Bürgermeister von Essingen. Seine Amtszeit begann im April 1997. Er wurde seither mehrfach wiedergewählt und ist einer der dienstältesten Bürgermeister im Ostalbkreis. Vor seinem Eintritt in die Verwaltung war er bei der Gemeinde Bad Boll tätig und dort zuletzt Leiter des Bau- und Ordnungsamts. Hofer ist auch aktiv in verschiedenen Verbänden, wie dem Abwasserzweckverband Lauter-Rems.
Aktuell liegt der Fokus auf mehreren Bauvorhaben in Essingen, darunter die Erweiterung und Generalsanierung der Parkschule, der Neubau einer Musikschule und die Verbesserung der Breitbandversorgung. Doch der Dönerstreit zeigt, wie sehr die Themen Gastronomie und Dorfentwicklung miteinander verknüpft sind.
In einer Zeit, in der kulinarische Angebote und Integrationsfragen in vielen Gemeinden diskutiert werden, stellt der mögliche Dönerimbiss in Essingen auch eine kulturelle Frage dar. Der Döner, als beliebtes Fast-Food-Gericht, ist mittlerweile ein Symbol für Freiheit und multikulturelle Gesellschaft, wie Spiegel.de berichtet. Bleibt abzuwarten, wie sich die Situation in Essingen tatsächlich entwickeln wird.