
Im Herzen der malerischen Landschaft von Lindos, Rhodos, kommt es zu einem Skandal, der die Korruption im griechischen Bauwesen ins Rampenlicht rückt. Der Bau eines neuen Hotels mit 80 Betten und einer Fläche von 2.500 Quadratmetern wurde durch schockierende Vorwürfe von Bestechung und Korruption überschattet. Laut einem Bericht von Sächsische.de verlangte eine Beamtin des Bauamts für die Genehmigung angeblich 5.000 Euro. Eine zweite Beamtin forderte sogar 20.000 Euro, während ein Architekt eine schnellere Genehmigung für 3.000 Euro anbot.
Die Ermittlungen der griechischen Korruptionsermittler führen auf eine vielschichtige Geschichte. Im Mai 2024 gab ein anonymes Hinweisgeber die ersten Informationen über die Bestechungspraktiken im Bauamt weiter. Der Hinweisgeber berichtete zudem von dem luxuriösen Lebensstil der Mitarbeiter, was die Korruptionsthematik weiter anheizt. Bei den Ermittlungen konnten über 600.000 Euro in Bargeld, Goldmünzen und teuren Uhren in der Wohnung einer Hauptbeschuldigten sichergestellt werden. Diese Person beharrte darauf, dass das Geld während der Finanzkrise 2015 angespart wurde, was die Fragen um mögliche unrechtmäßige Einnahmen eher verstärkt als mildert.
Korruption im Bauwesen
Korruption bei Bauämtern in Griechenland ist ein weit verbreitetes Problem. Eine umfassende Untersuchung von Zeit.de zeigt, dass im Jahr 2009 das durchschnittliche Bestechungsgeld in Griechenland bei etwa 1.355 Euro lag. Bürgerinnen und Bürger mussten oft zahlen, um Baugenehmigungen zu erhalten, einen schnelleren Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen zu bekommen oder Steuerprüfungen zu beeinflussen.
Zusätzlich zeigt der nicht zu ignorierende Anstieg der Bestechungssummen, dass bis zu 787 Millionen Euro an Bestechungsgeldern allein im Jahr 2009 geleistet wurden, davon 462 Millionen Euro an Staatsdiener. Im privaten Sektor stiegen die Bestechungsgelder im gleichen Jahr auf 1.671 Euro, was die Verflechtungen zwischen öffentlichem und privatem Sektor weiter verdeutlicht.
Ermittlungen und rechtliche Folgen
Die Festnahmen von sieben Hauptverdächtigen des Rhodos-Schmiergeldskandals wurden als neues Kapitel in einem kritischen Kampf gegen die Korruption in Griechenland betrachtet. Trotz der schwerwiegenden Vorwürfe bestreiten die Verdächtigen die Anklagen. Ein Staatsanwalt und ein Untersuchungsrichter setzten sie später wieder auf freien Fuß, was zu einem Disziplinarverfahren gegen sie führte.
Die allgemeine Lage der Korruption in Griechenland ist alarmierend. Wie aus dem „Corruption Perceptions Index“ von Transparency International hervorgeht, erhielt Griechenland im Jahr 2024 49 von 100 Punkten und belegt den 59. Platz im internationalen Vergleich. Dies zeigt, dass die Korruption zwar moderat gesunken ist, jedoch weiterhin ein erhebliches Problem darstellt. Um die Herausforderungen der Korruption zu bewältigen, hatte Premierminister Kyriakos Mitsotakis die Bekämpfung von Korruption zu einer Priorität erklärt.
Zusammenfassend steht Griechenland in einem kritischen Moment, in dem der Kampf gegen die Korruption an Intensität gewinnen muss. Die Ereignisse rund um das Bauprojekt in Lindos lenken nicht nur die Aufmerksamkeit auf die Missstände im Bauwesen, sondern verdeutlichen auch die tief verwurzelten Probleme, mit denen das Land konfrontiert ist.