
Rolf Dieter Brinkmann, eine prägende Figur der deutschen Literatur, wird in einer Festwoche geehrt, die in der Stadt Köln zahlreiche Veranstaltungen umfasst. Brinkmann, der am 16. April 1940 in Vechta geboren wurde, verstarb tragischerweise am 23. April 1975 in London, nachdem er von einem Auto angefahren wurde. Zwei Monate nach seinem Tod erhielt er posthum den Petrarca Preis, eine Auszeichnung, die seine bedeutende Rolle in der Literatur unterstreicht. Die Verleihungsfeier fand auf dem Mont Ventoux statt und wurde als Gedenkstunde für Brinkmann gefeiert. Peter Handke hielt eine Rede, von der nur wenig überliefert ist, wobei eine seiner berühmtesten Bemerkungen lautete: „Ein Ich, das querliegt zur Welt.“ ksta.de berichtet, dass eine neue Biografie von Michel Töteberg und Alexandra Vasa mit dem Titel „Ich gehe in ein anderes Blau“ Brinkmanns Leben und Werk beleuchtet.
Brinkmann wuchs in Vechta-Falkenrott auf und besuchte das Gymnasium Antonianum Vechta sowie das Clemens-August-Gymnasium in Cloppenburg, welches er 1958 ohne Abschluss verließ. Seine Karriere nahm Fahrt auf, nachdem er 1958 einen Versuch unternahm, seine Texte bei Peter Suhrkamp einzureichen, der ihm jedoch zunächst keine positive Rückmeldung gab. Ein Wendepunkt in seiner Laufbahn kam 1962, als Dieter Wellershoff von Kiepenheuer & Witsch Brinkmanns Talent erkannte und ihn förderte. Seine Zeit in Köln, wo er mit seiner Frau Maleen und ihrem Sohn Robert lebte, beschreibt er als geprägt von der dunklen Atmosphäre einer industriellen Stadt, die seiner Ansicht nach wenig mit Poesie zu tun hatte.
Ein Meister der Underground-Lyrik
Brinkmann wurde zur Kultfigur der Kölner Literaturszene. Sein Gedichtband „Was fraglich ist wofür“ (1967) gilt als der erste deutsche Gedichtband mit Pop-Tendenz, während sein Roman „Keiner weiß mehr“ (1968) als „erster genuin entwickelter deutscher ‚Pop-Roman‘“ gelobt wurde. Außerdem machte er die amerikanische Underground-Lyrik in Deutschland bekannt. Mit der Herausgabe der Anthologie „Acid. Neue amerikanische Szene“ (1969) prägte er die Literatur der 60er Jahre entscheidend und gilt als führender Underground-Lyriker dieser Zeit.
Nach 1970 zog sich Brinkmann vom deutschen Literaturbetrieb zurück, um sich der Schaffung von „Materialienbänden“ und seinen einzigartigen Prosagedichten zu widmen. Sein lyrisches Opus magnum „Westwärts 1 & 2“, das ihm posthum den Petrarca-Preis einbrachte, wurde 1975 veröffentlicht und enthält einige seiner bedeutendsten Werke. Zudem ist „Rom, Blicke“ ein weiteres Hauptwerk, das ursprünglich als Materialienband gedacht war. Trotz seiner Erfolge hatte Brinkmann mit finanziellen Schwierigkeiten und einer Schreibblockade zu kämpfen, die ihn bis zu seinem Tod begleiteten.
Ein bleibendes Erbe
Die Auswirkungen von Brinkmanns Schaffen sind bis heute spürbar. Zahlreiche Institutionen und Stiftungen widmen sich seinem Werk, unter anderem die Arbeitsstelle Rolf Dieter Brinkmann an der Universität Vechta, die sein literarisches Erbe pflegt and Tagungen organisiert. Seit 1990 vergibt die Stadt Köln das Rolf-Dieter-Brinkmann-Stipendium, um Nachwuchsautoren zu unterstützen. 2023 wurde die Kulturstiftung Rolf Dieter Brinkmann in Vechta gegründet, die sich dem Erhalt und der Erforschung seines Werkes widmet.
In der neuen Biografie von Töteberg und Vasa, die am 9. April im Literaturhaus Köln vorgestellt wird, kommen Brinkmanns Einflüsse auf nachfolgende Generationen von Lyrikern zur Sprache. Die Leserschaft darf gespannt sein auf eine außergewöhnliche Beleuchtung des Lebens und Schaffens eines Künstlers, der auch heute noch Resonanz in der literarischen Szene findet. wikipedia.de