
Am Dienstagmittag ereignete sich in Wardenburg, Niedersachsen, ein Erdbeben mit einer Lokalmagnitude von 3,2. Das Beben, registriert um 13:33 Uhr, ist das bisher stärkste in der Region zwischen Oldenburg und Cloppenburg. Das Epizentrum liegt unweit von zwei Erdgasfeldern, was laut Experten des niedersächsischen Erdbebendienstes möglicherweise auf unnatürliche Ursachen hindeutet. Die Vermutung ist, dass die Erdgasförderung in der Nähe maßgeblich für die Erschütterungen verantwortlich sein könnte. Anwohner berichteten von leichten Sachschäden, der Umfang der Schäden ist jedoch noch unklar.
Das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) hat die Bevölkerung aufgefordert, einen Fragebogen auszufüllen, um weitere Informationen zu den Auswirkungen des Erdbebens zu sammeln. Diese Daten sind wichtig, um das Epizentrum und die genauen Auswirkungen des Bebens zu bestimmen. Erste Analysen deuten darauf hin, dass Spannungen im Untergrund, die durch die Erdgasförderung entstehen, plötzliche Erschütterungen verursachen können.
Ursachen und geologische Zusammenhänge
Die Erdgasförderung in der Region Hengstlage erfolgt seit den 1960er Jahren und hat möglicherweise zu einer Steigerung der seismischen Aktivitäten geführt. Die zugrunde liegenden Spannungen im Erdreich können sich, wie wissenschaftliche Analysen zeigen, abrupt entladen und Erdbeben auslösen. Dies ist nicht das erste Beben der letzten Jahre in Niedersachsen; im März 2022 wurde beispielsweise ein Erdbeben in Syke mit einer Magnitude von 3,6 registriert.
Das LBEG stellt fest, dass Erdbeben in Niedersachsen keine Seltenheit sind. Das stärkste bislang in Niedersachsen gemessene Beben hatte 2004 in Rotenburg/Wümme eine Magnitude von 4,5. Allgemein gelten Erdbeben ab einer Magnitude von 1,9 bis 2,0 als für Menschen wahrnehmbar.
Die Rolle der Erdgasförderung
Die Erdgasförderung in Niedersachsen spielt eine signifikante Rolle in der deutschen Energieversorgung. Im Jahr 2023 wurden in Deutschland etwa 4,3 Milliarden Kubikmeter Erdgas gefördert, von denen der Großteil in Niedersachsen entstammt. Diese Förderung deckte 5,7 Prozent des gesamten deutschen Erdgasbedarfs. Es ist jedoch zu beachten, dass die Fördermengen in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich zurückgegangen sind, was vor allem darauf zurückzuführen ist, dass nur selten neue Lagerstätten erschlossen werden.
Die Daten belegen, dass Niedersachsen mit über 98 Prozent der gesamten Förderung eine zentrale Rolle im deutschen Energiemarkt einnimmt. Trotz dieser wichtigen Funktion bleibt die geologische Sicherheit ein kritisches Thema, insbesondere im Kontext von seismischen Aktivitäten und dem Schutz der Bevölkerung.