
Am 23. März 2025 gab die genetische Testfirma 23andMe bekannt, dass sie in den USA Konkurs angemeldet hat. Diese als Vorreiter im Bereich der Heim-DNA-Tests bekannte Firma hat seit ihrer Gründung im Jahr 2006 genetische Informationen von rund 15 Millionen Nutzern gesammelt. In den letzten Jahren kämpfte 23andMe nicht nur mit sinkenden Verkaufszahlen, sondern auch mit einer drastischen Reduzierung der Belegschaft um 40 % im Oktober. Zudem ging das Unternehmen 2021 mit einer Bewertung von 3,5 Milliarden US-Dollar an die Börse, um einen Wechsel in die Arzneimittelforschung zu finanzieren. Aktuell sieht sich das Unternehmen mit der Gefahr des Delistings von der NASDAQ konfrontiert, da der Aktienkurs unter 1 US-Dollar gefallen ist. Angesichts dieser Umstände werden die Nutzer aufgefordert, ihre persönlichen Daten von der Plattform zu löschen.
Die Datenschutzbedenken sind nicht unbegründet. Anwälte aus New York und Kalifornien haben den Bürgern geraten, ihre Daten zu löschen. Experten äußern Skepsis gegenüber den Datenschutzversprechen des Unternehmens und machen darauf aufmerksam, dass ein neuer Käufer möglicherweise nicht denselben Verpflichtungen unterliegt. Schwierigkeiten ergeben sich zudem daraus, dass 23andMe nicht unter das US-amerikanische Gesundheitsschutzgesetz HIPAA fällt, da es nicht als medizinisches Unternehmen eingestuft wird. Gesetzeshüter können auf die Daten von 23andMe im Rahmen von Durchsuchungsbefehlen oder Vorladungen zugreifen.
Datenschutz und Nutzerempfehlungen
Die Bedenken über den Schutz der Nutzerdaten nehmen angesichts eines Datenlecks im Jahr 2023 zu, bei dem fast 7 Millionen Benutzer betroffen waren und eine Sammelklage in Höhe von 30 Millionen US-Dollar eingereicht wurde. Nutzer von 23andMe sind aufgefordert, ihre personenbezogenen Daten zu löschen, da die Privatsphäre des Unternehmens im Verkaufsprozess möglicherweise gefährdet ist. Laut einem Bericht von Today können Nutzer ihre Konten durch Anmeldung auf der Website oder in der mobilen App unter „Einstellungen“ > „23andMe-Daten“ löschen. Es wird empfohlen, vorher etwaige Berichte herunterzuladen, da dieser Prozess unwiderruflich ist.
Das Unternehmen hat eine Frist von 45 Tagen für Gebote in Bezug auf seine Vermögenswerte im Rahmen des Insolvenzverfahrens festgelegt. Mark Jensen, der Vorsitzende des Vorstands, hat betont, dass die Privatsphäre weiterhin eine Priorität für das Unternehmen bleibt. Dennoch blieben die Sorgen über den Umgang mit persönlichen Informationen während des Bankrotts oder von Vermögensverkäufen bestehen, da die Datenschutzerklärung darauf hinweist, dass personenbezogene Daten möglicherweise während dieser Prozesse übertragen oder verkauft werden könnten.
Rechtliche Rahmenbedingungen und Verbraucherschutz
Die rechtlichen Rahmenbedingungen der personenbezogenen Daten von Nutzern stehen im Einklang mit verschiedenen Datenschutzgesetzen, die seit Jahrzehnten existieren. Der California Attorney General Rob Bonta hat zusätzlich zur Löschung der Benutzerkonten die Nutzer aufgefordert, alle genetischen Proben, die bei 23andMe hinterlegt sind, ebenfalls zerstören zu lassen. Das Gesetz über genetische Informationen in Kalifornien und der Verbraucherschutz sollen sicherstellen, dass die Rechte der Nutzer gewahrt bleiben, auch wenn das Unternehmen in finanzielle Schwierigkeiten geraten ist.
Insgesamt sehen sich die Nutzer von 23andMe einer unsicheren Zukunft gegenüber. Während das Unternehmen trotz der Insolvenz versichert, dass es die Kundendaten verantwortungsvoll verwalten wird, bleibt abzuwarten, wie sich die Situation entwickeln wird.