
Biergärten sind mehr als nur Freiluftgastronomie; sie sind ein bedeutendes kulturelles Element in Bayern. Besonders im Frühling ziehen sie zahlreiche Gäste an, die die gesellige Atmosphäre genießen. In den ruhigen Schatten der Bäume lässt sich der Alltag hinter sich lassen, während man ein gutes Bier und typische bayrische Speisen genießt. Laut PNP ist die Tradition des Mitbringens eigener Speisen fest in der bayrischen Kultur verankert. Dieses Brauchtum ermöglicht es den Gästen, ihre Lieblingsspeisen wie Hendl, Schweinsbraten, Würstel und Steckerlfisch mitzubringen und im Biergarten zu verzehren.
Die Biergartenverordnung regelt diesen Brauch und erlaubt das Mitbringen von eigenen Speisen, was zur einzigartigen Atmosphäre beiträgt. Die Verordnung sieht zudem vor, dass Bier bis 22.30 Uhr ausgeschenkt werden darf, bevor die Nachtruhe ab 23.00 Uhr greift. Diese Regelung ist das Ergebnis einer langen Entwicklung und auch Widerstand gegen Einschränkungen, wie während der Biergartenrevolution im Jahr 1995, als rund 20.000 Menschen für die Tradition der Biergärten demonstrierten.
Ein wichtiger sozialer Raum
Biergärten bieten nicht nur einen Ort für Genuss, sondern erfüllen auch eine wichtige soziale Funktion. Sie sind ein Treffpunkt für Familien und Freunde, besonders in städtischen Gebieten. Die bayerische Staatsregierung erkennt dies an und betont die Bedeutung der Biergärten als sozialen Kitt in der Gesellschaft. Der Verwaltungsgerichtshof in München stellte 2023 fest, dass Biergärten sich in ihrer Betriebsweise von klassischen Wirtsgärten unterscheiden.
Die Wurzeln dieser Tradition gehen über 200 Jahre zurück bis zu einem Erlass von König Maximilian I. im Jahr 1812. Dieser erlaubte den Brauern, Bier ohne begleitendes Speisenangebot auszuschenken. Ursprünglich entstanden die Biergärten aus der Praxis, Bier in kühlen Kellern auszuschenken, da untergäriges Bier nur in den kalten Monaten hergestellt werden konnte. Um die Temperatur zu senken, wurden Kies gestreut und Kastanien gepflanzt. Dies führte zur Schaffung der ersten Biergärten, die zunehmend an Beliebtheit gewannen.
Vielseitige Angebote und Einschränkungen
Natürlich gibt es in den Biergärten auch Regelungen. Während das Mitbringen von Speisen weit verbreitet ist, sind Bereiche mit Bedienung in einigen Biergärten nicht für eigene Brotzeiten geöffnet. Alkoholfreies Bier ist ein fester Bestandteil des Angebots, jedoch gibt es keine speziellen rein alkoholfreien Biergärten in Bayern. Der Konsum von Cannabis in Biergärten bleibt zudem verboten.
Ein Blick auf die beliebtesten Biergärten in München stellt fest, dass Orte wie der Hirschgarten, der Chinesische Turm im Englischen Garten und der Nockherberg zu den Favoriten zählen. Diese etablierten Biergärten ziehen weiterhin Menschen aus allen Lebensbereichen an und erfüllen damit ihre Rolle als soziale Treffpunkte.
Die Tradition der Biergärten in Bayern lebt sowohl durch die Regelungen der Biergartenverordnung als auch durch die lebendige Kultur der Menschen, die sich hier regelmäßig versammeln. Der Erhalt dieser Tradition ist ein umfassendes Anliegen, das die bayerische Lebensart widerspiegelt und damit auch einen grundlegenden Bestandteil der regionalen Identität bildet.