
Bildungserfahrungen in der frühen Kindheit haben weitreichende Auswirkungen auf die Lernfähigkeiten später im Leben. Dies geht aus einer umfassenden Untersuchung hervor, die im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) durchgeführt wurde. Prof. Dr. Stefan Faas von der PH Schwäbisch Gmünd hebt hervor, wie wichtig qualitativ hochwertige Kindertagesstätten für die Verbesserung von Bildungschancen sind. Insbesondere Kinder aus sozial benachteiligten Familien profitieren erheblich von einem frühen und hochwertigen Betreuungsangebot.
Die Studie hat gezeigt, dass der Besuch einer Kindertageseinrichtung überwiegend positive Effekte auf den Bildungserfolg hat. Frühzeitige Betreuung sowie ein angemessener Betreuungsumfang fördern nicht nur die sprachliche, sondern auch die kognitive Entwicklung der Kinder. Ein Fokus auf die Qualität der pädagogischen Interaktionen und die bildungsbezogenen Anregungen im Alltag der Einrichtungen sind dabei entscheidend. Faas fordert daher ein einheitliches Qualitätsmonitoring und bundesweite Standards, um die Qualität der Betreuung sicherzustellen.
Bedeutung der Bildungsqualität
Die Untersuchung basiert auf der systematischen Auswertung von 82 nationalen und internationalen Forschungsarbeiten und beleuchtet die Effekte sowohl in quantitativer als auch qualitativer Hinsicht. Besonders betont wird die Unterscheidung zwischen den Auswirkungen auf Kinder unter drei Jahren im Krippenbereich und den drei- bis sechsjährigen Kindern im Kindergartenbereich. Es wird deutlich, dass frühkindliche Bildungserfahrungen besonders prägend für die weitere Bildungsbiografie sind.
Während die positiven Effekte der frühzeitigen Betreuung auf die kognitive Entwicklung klar sind, zeigen sich bei der sozial-emotionalen Entwicklung weniger eindeutige Ergebnisse. Hier fordert die Forschung weitere Aufmerksamkeit und Analyse. Durch die Identifikation der Bildungs- und Betreuungsbedürfnisse können Maßnahmen zur Verbesserung entwickelt werden.
Aktuelle Forschungsprojekte
Parallel zu den Erkenntnissen über die Bildungsqualität werden auch die Arbeitsbedingungen der frühpädagogischen Fachkräfte in Deutschland untersucht. Zwischen 2011 und 2014 wurde am Staatsinstitut für Frühpädagogik (IFP) in München eine Studie durchgeführt, die sich mit der Arbeitszufriedenheit und den Bedingungen von Erzieherinnen und Erziehern auseinandersetzte. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen wurden genutzt, um Handlungsmodelle und Empfehlungen für die Praxis zu entwickeln.
Das europäische Forschungsprojekt CARE (Curriculum and Quality Analysis and Impact Review of European Early Childhood Education and Care), das von 2014 bis 2016 durchgeführt wurde, zielte darauf ab, die Qualität und Wirksamkeit der frühkindlichen Bildung in Europa zu verbessern. Begleitend dazu stellte das Programm Innopäd U3 von 2013 bis 2017 Anforderungen an Einrichtungen, Angebote für Kinder unter drei Jahren bereitzustellen, um dem gesetzlichen Anspruch auf einen Platz gerecht zu werden.
Ein weiteres wichtiges Projekt, GInA (Gestaltung von Interaktionsgelegenheiten im Alltag), förderte von 2011 bis 2013 die Qualifizierung von Fachkräften durch Unterstützung in der Gesprächsführung mit Kindern. Derartige Initiativen sind unerlässlich, um den steigenden Ansprüchen an die Qualität der frühkindlichen Bildung gerecht zu werden.
Um die Ergebnisse der NUBBEK-Studie zu nutzen, wird ein Unterstützungssystem zur Qualitätssicherung in bayerischen Kindertageseinrichtungen etabliert. Zudem vermittelt das Qualitätslabel QualiKita in der Schweiz ein effektives Mittel zur Selbst- und Fremdeinschätzung von Kindertagesstätten und stellt so die Qualität sicher.
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass sich die Forschung zur frühkindlichen Bildung auf einem vielversprechenden Weg befindet, um die Qualität und Wirkung der frühkindlichen Betreuung in Deutschland und darüber hinaus zu verbessern. Ziel bleibt es, Kindern aus allen sozialen Schichten die besten Bildungsbedingungen zu bieten.
Für weitere Informationen und Einzelheiten zu den aktuellen Entwicklungen und Studien werfen Sie bitte einen Blick auf die Nachrichten der PH Schwäbisch Gmünd oder die Berichte des Fachportals Pädagogik.