
Steigende Bauzinsen bringen die Region und insbesondere die Baubranche in eine kritische Lage. Die aktuellen Zinssätze haben sich seit Jahresbeginn erheblich erhöht, was zu einer spürbaren Verunsicherung bei potenziellen Immobilienkäufern führen könnte. Laut einem Bericht von rosenheim24 fiel der Zinssatz für eine Zinsbindung von 15 Jahren von 3,27% auf 3,82%, während der Zinssatz für einen 10-Jahres-Vertrag von 3,18% auf 3,68% stieg. Diese Entwicklungen zwingen viele Käufer, ihre Pläne für den Erwerb eines Eigenheims auf unbestimmte Zeit zu verschieben.
Die Auswirkungen auf die Bauindustrie sind bereits spürbar. Sebastian Daxeder, Geschäftsführer der DAWO Daxeder Wohnbau GmbH, erklärt, dass es bereits zahlreiche Absagen von Kunden gegeben hat, die aufgrund der erhöhten Finanzierungskosten nicht mehr bereit sind, in Immobilien zu investieren. Diese Situation könnte sich weiter verschärfen und in einen Teufelskreis münden. Er betont, dass immer weniger Käufer in der Lage sind, sich eine Immobilie zu leisten.
Politische und wirtschaftliche Faktoren
Die rasant steigenden Zinsen werden teilweise auf ein milliardenschweres Investitionsprogramm der neuen Bundesregierung zurückgeführt, das die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe beeinflusst hat. Diese Einflüsse auf die Bauzinsen sind Teil eines größeren Trends, der seit Ende 2021 zu beobachten ist. Wie hypochart.de beschreibt, steigen die Bauzinsen von einem historisch niedrigen Niveau, was für viele Käufer problematisch ist. Die Niedrigzinspolitik der EZB, die bis Juli 2022 galt, hat zur aktuellen Situation beigetragen.
In der Region Rosenheim wird die Baubranche als stark gefährdet beschrieben. Josef Nicolosi, Geschäftsführer der Richter+Frenzel (R+F) Rosenheim GmbH, äußert sich besorgt über die Zukunft. Er hebt hervor, dass insbesondere der Neubaubereich erheblich unter den sinkenden Aufträgen leidet. Im Gegensatz dazu bleibt der Sanierungsbereich stabil. Nicolosi schätzt den Rückgang der Bestellungen seit 2024 auf einen zweistelligen Prozentbereich.
Ausblick auf die Immobilienpreise
Die steigenden Bauzinsen könnten nicht nur die Kaufwilligkeit der Interessenten verringern, sondern auch die Mietpreise in die Höhe treiben. Vermieter könnten gezwungen sein, die erhöhten Kosten an die Mieter weiterzugeben. Fritz Hartinger, Geschäftsführer von Elektro Hartinger und Sohn GmbH, berichtet von stabilen Aufträgen, sieht aber die Gefahr, dass positive Entwicklungen im Wohnungsbau endgültig abgebremst werden könnten.
Für die Zukunft gibt es vielfältige Forderungen aus der Branche. Viele Akteure wünschen sich schnellere Genehmigungsverfahren sowie Erleichterungen bei Bauauflagen und steuerliche Anerkennungen, um die Situation zu verbessern. Insbesondere zielgerichtete Förderprogramme für sozialgebundenen Wohnraum stehen auf der Wunschliste der Branche.
Zusammenfassend zeigt sich, dass die Bauzinsen, die zu Jahresbeginn leicht angestiegen sind, erhebliche Auswirkungen auf die Immobilienwirtschaft haben. Diese, in Kombination mit politischen Unsicherheiten und der aktuellen wirtschaftlichen Lage, lässt für die kommenden Monate ein herausforderndes Umfeld erwarten. Potenzielle Käufer sollten gut durchdachte Finanzierungspläne berücksichtigen, um in dieser sich schnell verändernden Marktlandschaft sicher zu navigieren.