
Im Jahr 2024 verzeichnete Bayern einen signifikanten Rückgang der Kirchenaustritte. Laut tz.de traten 87.184 Menschen aus der katholischen Kirche und 39.486 aus der evangelischen Kirche aus. Diese Zahlen deuten darauf hin, dass in Bayern nach den Rekordzahlen der Vorjahre eine Trendwende stattfindet.
Im Jahr 2023 war die Zahl der Kirchenaustritte in Bayern mit 106.663 aus der katholischen und 4.706 aus der evangelischen Kirche noch bemerkenswert hoch. Rekordjahr war jedoch 2022, als 153.586 Menschen die katholische Kirche verließen. Experten führen diesen Anstieg auf mehrere Faktoren zurück, darunter ein Gutachten zu Missbrauchsfällen sowie einen Nachholeffekt nach der Corona-Pandemie.
Mitgliederzahlen und finanzielle Auswirkungen
Aktuell zählen noch etwa 5,5 Millionen Menschen zur katholischen Kirche in Bayern, während die evangelische Kirche über gut 2 Millionen Mitglieder verfügt. Der Rückgang der Mitgliederzahlen hat spürbare finanzielle Konsequenzen für die Kirchen, die mit verminderten Einnahmen aus Kirchensteuern zu kämpfen haben.
Für die evangelische Kirche in Bayern war der Rückgang der Austritte 2024 mit einem Minus von 10,6 Prozent im Vergleich zu 2023 ein positives Zeichen. Dennoch warnen Kirchenvertreter vor den langfristigen finanziellen Folgen, die durch die abnehmende Mitgliederzahl verstärkt werden. 2024 konnte die katholische Kirche 340 neue Mitglieder und 38.123 Taufen verzeichnen, während die evangelische Landeskirche 2.025 Eintritte und 13.633 Taufen meldete.
Gründe für die Kirchenaustritte
Das Thema der Kirchenaustritte hat in Deutschland eine bedeutende sociologische Dimension. Eine Analyse, die auf der ALLBUS 2023 basiert, zeigt, dass rund 60 Prozent der Ausgetretenen zuvor in der Kirche waren. Eine umfangreiche Umfrage ergab, dass vor allem ehemalige Mitglieder der evangelischen Kirche (EKD) und der römisch-katholischen Kirche häufig Gründe wie die Unglaubwürdigkeit der Kirche (68% bei vormaligen EKD-Mitgliedern, 83% bei ehemaligen Katholiken) anführen.
Ein weiterer relevanter Grund für den Austritt ist die Kirchensteuer, die von 63% der Umfrageteilnehmer als ein zentraler Punkt genannt wurde. Diese Abgaben werden meist als belastend empfunden und tragen zur Entscheidung bei, die Kirche zu verlassen. Des Weiteren glaubt eine Mehrheit der ehemaligen Kirchenmitglieder nicht mehr an Gott (58%) oder sieht keinen Bedarf an einer Kirchenmitgliedschaft.
Zusammenfassend ist der Rückgang der Kirchenaustritte in Bayern ein komplexes Phänomen, das sowohl soziale als auch finanzielle Implikationen hat. Die Analyse zeigt deutlich, dass der Trend der Kirchenaustritte nicht nur ein lokales, sondern ein landesweites Problem darstellt, das eng mit der Säkularisierung in Deutschland verknüpft ist.