
Die geplante Errichtung einer Pflegeschule in Onstmettingen, Albstadt, wurde nun von der BeneVit GmbH abgesagt. Diese Entscheidung, die am 3. April 2025 bekannt gegeben wurde, steht im Kontext wachsender Bedenken hinsichtlich Fremdenfeindlichkeit in der Region. BeneVit hatte ursprünglich 10 Millionen Euro in den Neubau investieren wollen und strebte an, 75 ausländische Pflegekräfte auszubilden und zu integrieren. Geschäftsführer Kaspar Pfister nannte als Hauptgründe für die Absage sowohl die fehlende Anerkennung des neuen Pflegekonzepts „Stambulant“ durch die Bundesregierung als auch die hohen Stimmenanteile der AfD bei den letzten Bundestagswahlen in Onstmettingen, wo die Partei 33% und 37% der Stimmen erhielt.
Pfister äußerte sich besorgt über die Auswirkungen dieser politischen Stimmung auf ausländische Fachkräfte. „Die Absage ist ein bedauerlicher Rückschlag für unsere Pläne, qualitative Pflegeangebote zu schaffen“, so Pfister. Auch Oberbürgermeister Roland Tralmer (CDU) bedauert die Entscheidung. Er betont, dass die Onstmettinger keine „eingefahrenen Rechtsextremisten“ seien und sieht in der Schaffung neuer Kitaplätze und der Pflegeschule eine wichtige Entwicklung für die Stadt.
Die Rolle ausländischer Pflegekräfte in Deutschland
Die Thematik erhält zusätzlichen Kontext durch eine aktuelle Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), die aufzeigt, dass das deutsche Pflegesystem ohne ausländische Beschäftigte kurz vor dem Zusammenbruch steht. Bereits jede sechste Pflegekraft in Deutschland stammt aus dem Ausland, und seit 2022 wird das Beschäftigungswachstum in der Pflege ausschließlich durch ausländische Fachkräfte getragen.
Die Zahlen sind alarmierend: In den letzten zehn Jahren stieg der Anteil ausländischer Pflegekräfte in der Altenpflege von neun auf knapp 19 Prozent. In der Krankenpflege verdoppelte sich der Anteil in demselben Zeitraum und beträgt nun etwa 14,5 Prozent. Die demografischen Herausforderungen erfordern eine stärkere Fokussierung auf ausländische Pflegekräfte, die entscheidend zur Stabilisierung des Sektors beitragen.
Vor dem Hintergrund dieser Statistiken wird die Absage des Bauprojekts in Onstmettingen noch dramatischer. Deutschland wird weiterhin auf die Zuwanderung von Pflegekräften aus dem Ausland angewiesen sein. Experten fordern daher eine Reform der Zuwanderungsregeln und eine bessere Wertschätzung der Qualifikationen ausländischer Pflegekräfte.
Integration und Herausforderungen
Eine weitere Dimension der Problematik wird durch eine Studie der Goethe-Universität und des Instituts für Sozialforschung (IfS) deutlich. Diese untersucht die Integration ausländischer Pflegekräfte in Deutschland, die oft mit Herausforderungen konfrontiert sind. Diese reichen von sprachlichen Barrieren bis hin zu Missverständnissen, die häufig auf vermeintliche „kulturelle Unterschiede“ zurückgeführt werden.
Die Studie zeigt, dass in Großstädten fast jede zweite neue Pflegefachkraft aus dem Ausland kommt, jedoch Schwierigkeiten bei der langfristigen Integration bestehen. Vorschläge zur Verbesserung umfassen die Schaffung von Räumen für fachlichen Austausch und den Einsatz unabhängiger Coaches, um die Zusammenarbeit zwischen einheimischen und ausländischen Pflegekräften zu fördern.
Der Vorfall in Onstmettingen illustriert eindringlich die Herausforderungen, vor denen das Pflegesystem in Deutschland steht. Mit einem stark wachsenden Bedarf an Fachkräften und Schwierigkeiten bei der Integration könnte die Absage der Pflegeschule ein Zeichen dafür sein, dass dringendere Maßnahmen zur Akzeptanz und Integration ausländischer Kräfte ergriffen werden müssen.