
Die Baugenossenschaft Winnenden (BGW) steht vor einer anhaltenden Herausforderung: Obwohl seit dem Kauf eines Grundstücks in Birkmannsweiler im April 2017 viel Zeit vergangen ist, bleibt das Bauvorhaben noch in der Planungsphase. Die BGW hatte das knapp 2900 Quadratmeter große Grundstück zu einem Preis von 265 Euro pro Quadratmeter, inklusive aller Nebenkosten, erworben. Geplant waren die Errichtung von zwei Mehrfamilienhäusern in den „Kreuzwiesen“. Jedoch hat sich der ursprünglich zügige Baubeginn verzögert, sodass zum aktuellen Stand im März 2025 das Grundstück unbebaut bleibt, und die Vorfreude auf neues Wohnen weicht einer wachsenden Frustration.
Die anhaltende Wartezeit und die damit einhergehenden finanziellen Auswirkungen sind für die BGW nicht zu unterschätzen. Die genauen Kosten für die Verzögerungen wurden von der Genossenschaft auf 23.900 Euro pro Jahr beziffert. Diese Summe ergibt sich aus den gestiegenen Unterhaltskosten sowie den entgangenen Mieteinnahmen, die somit nicht in die Kassen der Genossenschaft fließen.
Spekulation und steigende Baulandpreise
Die aktuelle Situation der BGW spiegelt einen trendigen und sich zuspitzenden Baustopp wider, der in Deutschland zunehmend zu beobachten ist. Laut aktuellen Analysen haben die Preise für Bauland in den letzten zehn Jahren um über 60% zugenommen. Lagertechnisch bewegen sich die Preisanstiege seit 2014 zwischen 6-10% jährlich. Diese Entwicklung wird laut den Berichten des Gutachterausschusses Berlin insbesondere durch die Spekulation mit Baugenehmigungen verstärkt, die in teuren Metropolen und im Mehrfamilienhausbau zu beobachten ist. Investoren ziehen es häufig vor, Grundstücke zu halten und weiterzuverkaufen, anstatt umgehend mit dem Bau zu beginnen, was den dringend benötigten Wohnraum weiter verzögert und die Grundstückspreise in die Höhe treibt.
Die Kosten für Grundstücke machen mittlerweile bis zu 25% der Gesamtkosten für Neubauprojekte aus, in besonders teuren Lagen sogar bis zu 33%. Diese Kostensteigerungen wirken sich direkt auf die Mietpreise aus. In vielen städtischen Wachstumsräumen liegen die Anfangsmieten mit 16-18 Euro pro Quadratmeter deutlich über den durchschnittlichen Preisen von 10-12 Euro.
Ausblick auf die Grundsteuerreform
Ein Lichtblick könnte die Reform der Grundsteuer sein, die ab 2025 in Kraft treten soll. Diese sieht vor, Grundstückseigentümer durch einen höheren Hebesatz für unbebaute Flächen zu motivieren, mit dem Bau zu beginnen. Es bleibt abzuwarten, ob diese Maßnahme den Druck auf die Baugenossenschaften und private Bauherren verringern kann.
In den letzten Jahren wurden auch zahlreiche Pläne zur Schaffung neuen Wohnraums diskutiert. Allerdings bleibt der Mangel an geeigneten Flächen und rechtlichem Baurecht ein entscheidender Engpass in diesem Prozess. Die Baugenossenschaft Winnenden hat mit ihrem angehaltenen Projekt unter Beweis gestellt, wie wichtig es ist, nicht nur die finanziellen Aspekte zu berücksichtigen, sondern auch die Faktoren, die die Bauzeiten und -bedingungen maßgeblich beeinflussen.