
In Brandenburg wird im kommenden Haushalt ein vorübergehender Einstellungsstopp für Lehrerinnen und Lehrer verhängt. Dies bestätigte das Bildungsministerium in Potsdam gegenüber dem rbb. Der Stopp gilt nicht nur für zukünftige Einstellungen, sondern betrifft auch bereits getätigte Zusagen an neue Lehrkräfte. Finanzminister Robert Crumbach betont jedoch, dass das Land weiterhin in der Lage sein wird, neue Lehrkräfte einzustellen, was unter den aktuellen Umständen nun nicht mehr möglich ist.
Der Einstellungsstopp ist das Ergebnis der laufenden Haushaltsverhandlungen. Im Entwurf für den Doppelhaushalt 2025 und 2026 sind keine zusätzlichen Vollzeiteinheiten für die Schulen eingeplant. Derzeit sind laut den Angaben etwa 250 Lehrerstellen unbesetzt. Das Ministerium plant, in Abstimmung mit den Schulämtern den Stellenstatus der Lehrkräfte sowie die notwendigen Neueinstellungen zu überprüfen.
Haushaltspläne und Unterrichtsorganisation
Der Haushaltsentwurf sieht vor, dass Lehrerinnen und Lehrer ab Anfang 2026 eine zusätzliche Unterrichtsstunde leisten sollen. Dabei wird jedoch betont, dass Lehrer von bürokratischen Aufgaben entlastet werden, ohne dass sich die Gesamtarbeitszeit erhöht. Das Ziel dieser Maßnahme ist es, Unterrichtsausfälle zu vermeiden, während die Arbeitslast der Lehrkräfte nicht ansteigt.
Trotz der bestehenden Herausforderungen gibt es über 900 ausgeschriebene Stellen auf den Seiten des Bildungsministeriums. Die derzeitige SPD/BSW-Landesregierung plant jedoch im Doppelhaushalt keine neuen Lehrerstellen. Die CDU-Landtagsfraktion fordert angesichts dieser Situation eine Sondersitzung des Bildungsausschusses.
Reaktionen und Kritik
Die Opposition hat die Pläne der Landesregierung überwiegend kritisiert. Insbesondere CDU-Fraktionschef Jan Redmann fordert Anreize für Lehrer, während die AfD-Fraktion die Erhöhung der Pflichtstundenzahl ablehnt. Auch die Grünen äußern sich besorgt und bezeichnen die Maßnahmen als „bildungspolitisches Armutszeugnis“. Die Linke befürchtet, dass diese Politik zu mehr Unterrichtsausfällen und einem Mangel an Lehrkräften führen könnte.
In Brandenburg sind derzeit an Grundschulen 27 Stunden pro Woche verpflichtend, während Oberschulen, Gesamtschulen und Gymnasien 25 Stunden haben. Eine zusätzliche Pflichtstunde würde somit das Niveau der Wochenstunden in Berlin erreichen. Zu Beginn des Schuljahres 2024 waren bereits 455 Vollzeitstellen unbesetzt. Diese Lage führt zu einer erhöhten Belastung der bestehenden Lehrkräfte.
Gewerkschaften, insbesondere die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW), kündigen Proteste an. Deren Landesvorsitzender, Günther Fuchs, äußert Widerstand gegen die aktuellen Pläne der Regierung. Der Präsident des Brandenburgischen Pädagogenverbands, Hartmut Stäker, zeigt sich über die Bildungs- und Personalpolitik der Landesregierung verärgert.
Insgesamt bleibt die Situation angespannt, da Brandenburg mit einem erheblichen Mangel an Lehrkräften kämpft und gleichzeitig neue Maßnahmen in der Schulorganisation umsetzen möchte.