
In Hessen wächst die Kritik an der vor zwei Jahren gestarteten Hessen-App, die bislang nur von etwa 38.000 Nutzern verwendet wird. Die SPD-Landtagsfraktion beurteilte die Anwendung als „teuren Flop“ und forderte eine umfassende Überprüfung des Projekts. Mit Investitionen von knapp zwei Millionen Euro, die im Auftrag des Digitalministeriums flossen, sollte die App den Zugang zu Verwaltungsdienstleistungen vereinfachen. Diese umfasst unter anderem Informationen zu Themen wie der Beantragung eines neuen Ausweises, Angelscheins oder Grundbucheintrags. Doch die Erwartungen der politischen Akteure werden bisher nicht erfüllt.
Die FDP kritisiert besonders, dass digitale Angebote der Kommunen aus Datenschutz- und IT-Sicherheitsgründen nicht in die App integriert werden können. Dies führt zu einem erheblichen Mangel an Funktionen, die für die Nutzer von Relevanz wären. Die Parteien sehen die Nutzerzahlen als einen Alarmzeichen an, da eine App als erfolgreich gilt, wenn sie zwischen 10 und 20 Prozent eines Zielmarktes erreicht, was in diesem Fall bei weitem nicht zutrifft. Die FDP fordert von Digitalministerin Kristina Sinemus (CDU), die App einzustellen, sollte es nicht gelingen, die Verwaltungsdienstleistungen sinnvoll zu integrieren.
Nutzung und Akzeptanz digitaler Dienste
Die Hessen-App ist Teil einer umfassenderen Bewegung hin zu digitalen Verwaltungs diensten in Deutschland. Laut einer Studie von PwC zur „vernetzten Verwaltung 2023“ wünschen sich 92 % der Befragten eine digitale Abwicklung von Verwaltungsvorgängen. Die Bereitschaft, Online-Angebote der öffentlichen Verwaltung zu nutzen, ist ebenfalls stark gestiegen. 78 % der Befragten nutzen bereits diese Angebote, was zeigt, dass ein großes Potenzial für digitale Verwaltungsdienste existiert. Die Zustimmung zur Einführung eines digitalen Bürgerkontos (BundID) ist hoch, mit 84 % der Befragten, die dies befürworten.
Doch trotz des positiven Trends gibt es auch Bedenken. Datenschutz und technische Probleme stellen die größten Hindernisse dar. 78 % der Befragten äußern Bedenken hinsichtlich möglicher technischer Probleme, 65 % haben Sorge vor Missbrauch, und 60 % befürchten um Datensicherheit.
Regionale Unterschiede in der Nutzung
Die Nutzung digitaler Amtsanliegen unterscheidet sich stark zwischen den Bundesländern. Während Nordrhein-Westfalen, Berlin und Bremen eine Nutzung von über 8 % berichten, sind die Zahlen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und im Saarland mit 71 bis 72 % deutlich geringer. Diese Unterschiede eröffnen ein Gespräch über regionale Herausforderungen und die unterschiedliche Umsetzung digitaler Angebote, die helfen könnten, die effiziente Nutzung in Hessen zu steigern.
Die Leipzigeringung und schnelle Implementierung digitaler Dienste wird von Experten als notwendig erachtet, um die Akzeptanz in der Bevölkerung weiter zu fördern. Die Ergebnisse der PwC-Studie betonen außerdem die Notwendigkeit einer klaren Kommunikation der Angebote und Verbesserungen, um das volle Potenzial digitaler Verwaltungsservices auszuschöpfen und den Bürgerinnen und Bürgern einen echten Mehrwert zu bieten.
Insgesamt steht die Hessen-App exemplarisch für die Herausforderungen, die bei der Umsetzung digitaler Lösungen in der öffentlichen Verwaltung auftreten können. Während die Nutzerzahlen enttäuschen, zeigen die beauftragten Studien, dass Prinzipien einer modernen Verwaltung gefordert sind. Nur so kann der Trend zur Digitalisierung genutzt und weiter ausgebaut werden.