
Die Kirchen in Berlin und Brandenburg stehen vor einer bedeutsamen Herausforderung: Ein kontinuierlicher Rückgang der Mitgliederzahlen. Im Jahr 2024 verzeichnete die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) einen drastischen Verlust von 16.519 Mitgliedern, was einem Rückgang von fast 3,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Reporter von der FAZ berichten, dass die EKBO nun insgesamt 774.765 Gemeindemitglieder zählt.
Diese Entwicklung setzt sich fort, nachdem die Kirche bereits im Jahr 2023 18.452 Austritte verzeichnen musste. Zudem meldet die EKBO, dass die Mitgliederzahl im Jahr 2022 noch bei 804.487 lag, bevor sie auf das aktuelle Niveau fiel. Ein Rückgang um über 29.300 Mitglieder innerhalb eines Jahres spiegelt die zunehmenden Schwierigkeiten wider, mit denen die Institution konfrontiert ist. Besonders auffällig ist, dass fast zwei Drittel der Austritte aus Berlin stammen, während der Rest aus Brandenburg und einem kleinen Teil aus der Region Görlitz kommt.
Verluste im Erzbistum Berlin
Auch das Erzbistum Berlin bleibt von diesen Verlusten nicht verschont. Mit 9.172 Austritten im Jahr 2024, wobei es im Vorjahr noch 11.131 waren, zählt das Erzbistum nun 350.987 Katholiken. Der Rückgang beläuft sich auf 3,0 Prozent im Vergleich zu 2023, was einem Verlust von fast 11.000 Mitgliedern entspricht. Die Region, die das Erzbistum umfasst, erstreckt sich über Berlin, den nördlichen Teil Brandenburgs und die Region Vorpommern.
Wie berlin-evangelisch.de berichtet, verlieren nicht nur die Kirchenmitgliedschaften an Zuwachs, auch die Zahl der Konfirmationen ist um 8,3 Prozent auf 3.945 gesunken. Wenigstens gibt es einen leichten Anstieg bei den Taufen, die um 7,8 Prozent auf 4.968 stiegen. In einem sich wandelnenden sozialen Umfeld ist es entscheidend, den Bedürfnissen der Gemeindemitglieder gerecht zu werden.
Herausforderungen und gesellschaftliche Erwartungen
Die Gründe für diesen dramatischen Rückgang sind vielfältig. Neben den üblichen Kirchenaustritten spielen auch wirtschaftliche Unsicherheiten und der demografische Wandel eine Rolle. Zudem haben viele Menschen hohe Erwartungen an die Kirche, insbesondere ihre Rolle in der Unterstützung für arme und kranke Menschen. Diese Erwartungen bleiben in der aktuellen Lage eine Herausforderung für die EKBO und das Erzbistum Berlin.
Bischof Christian Stäblein hat wiederholt betont, dass jeder Austritt schmerzt und die Institution sich ihrer Verantwortung stellen muss. Der Druck steigt, die Relevanz des Glaubens in einer sich schnell verändernden Gesellschaft zu vermitteln. Die EKBO hat zahlreiche Initiativen ins Leben gerufen, um Menschen in schwierigen Lebenslagen zu unterstützen, jedoch scheinen diese Maßnahmen nicht ausreichen, um die Fluktuation der Mitglieder zu stoppen.
Zusammenfassend bleibt festzustellen, dass die Kirchen in Berlin und Brandenburg angesichts eines anhaltenden Mitgliederschwundes vor großen Herausforderungen stehen. Die Notwendigkeit einer effektiven Anpassung an die gesellschaftlichen Bedürfnisse ist nun dringlicher denn je.