
In der ehemaligen DDR entstand eine einzigartige Esskultur, die sich aus Notwendigkeit und Kreativität entwickelte. Das Angebot an Lebensmitteln war oft begrenzt, und so mussten die Menschen improvisieren, um die täglichen Mahlzeiten zu meistern. Wer in den letzten Jahren die Geschäfte in Berlin besucht hat, merkt jedoch, dass diese kulinarischen Traditionen wieder aufleben. Eine interessante Beobachtung macht der Tagesspiegel, der eine Vielzahl an eingelegten Tomaten in Leuchttönen entdeckt hat, die das Sortiment einer Lebensmittelhandlung bereichern.
Diese eingelegten Tomaten sind nicht nur farbenfroh, sondern auch vielseitig einsetzbar. Sie passen hervorragend zu gegrilltem Fleisch oder Fisch und können als schmackhaftes Mitbringsel dienen. Ein einfaches Rezept aus der JoFoodwerkstatt beschreibt, wie man mit Kirschtomaten, Dill, Petersilie und einer Vielzahl weiterer Zutaten leckere eingelegte Tomaten zubereitet. Das Ergebnis ist ein mildes Aroma, das durch zusätzliche Gewürze intensiviert werden kann.
Tradition in der Fleischtheke
Im Inneren des Geschäfte finden sich neben den bunten Tomaten auch besondere Fleischsorten. In der Fleischtheke erfreuen sich Hühnerfüße, die von Vietdeutschen gekauft werden, großer Beliebtheit. Auch ein Schweinekopf und lebende Karpfen, die in einem Wasserbecken schwimmen, gehören zur Sortiment. Solche Produkte erinnern an die kulinarische Vergangenheit der DDR, als die Lebensmittelversorgung durch staatliche Planung und Rationierung geprägt war. Laut erichserbe.de war die Nahrungsmittelproduktion in der DDR stark kollektiviert. VEBs, LPGs und HOs waren verantwortlich für die Herstellung und den Vertrieb von Lebensmitteln, was oft zu Mangelwaren führte.
Die Esskultur des Landes entwickelte sich in räumlicher Enge. Im Gegensatz zu den westlichen Nachbarn war man oft auf Eigenanbau angewiesen. Kleintierzüchter und Gartenbesitzer hielten sich durch den Anbau von Gemüse und die Zucht von Tieren über Wasser. In Berlin, wo die Versorgung bis zur Eröffnung von Delikatläden und Intershops besser war, entstanden zahlreiche kreative Rezepte, die sich an den verfügbaren Lebensmitteln orientierten.
Esskultur im Wandel
In der heutigen Zeit sind Erinnerungen an die DDR-Küche weit verbreitet. Die Nostalgie nach Gerichten wie Broiler, Soljanka und anderen regionalen Besonderheiten ist ungebrochen. Selbst Fernsehsendungen und Kochbücher aus der Zeit erfahren eine Wiederbelebung. Der Verlag für die Frau beispielsweise veröffentlichte Kochbuchklassiker, die oftmals als Standardwerke angesehen werden. Das Interesse an Ostalgie und die Diskussion über Unterschiede zwischen ost- und westdeutscher Küche, die 2019 im Programm „Dolce Vita“ des Hessischen Rundfunks stattfand, zeigen das wachsende Bedürfnis nach kulinarischem Erbe.
Mit kreativen Rezepten und einem neu auflebenden Interesse an den Geschmäckern der Vergangenheit stellt sich die Frage, wie sich die Esskultur Deutschlands weiterhin entwickeln wird. Die Rückkehr zu traditionellen Zutaten und Zubereitungen könnte eine Brücke schlagen zwischen der Dönerspieß-Euphorie der 80er und der heutigen Gourmetkultur. Trotz der Herausforderungen, die die Nahrungsmittelversorgung damals mit sich brachte, bleibt die Fähigkeit zur Improvisation ein wertvolles Erbe der DDR.