
Der Begriff „Rabbit Hole“ entstammt dem berühmten Roman „Alice im Wunderland“ und beschreibt im Kontext des Internets das Phänomen, in einer Flut von unerwarteten Inhalten zu versinken. Dies geschieht häufig durch ständiges Klicken und Verlinken, was zu einem spiralförmigen Abdriften in verschiedene Themen führt. Ein harmloser Start, etwa die Suche nach einem Rezept, kann schnell in das Entdecken von Videos über seltene Tiere oder in politische Debatten münden. Laut T-Online sind die Algorithmen des Internets entscheidend für diesen Effekt, da sie Inhalte kuratieren, die das Interesse der Nutzer wecken und deren Belohnungszentrum im Gehirn aktivieren.
Diese natürliche Neugier und die Angst, etwas zu verpassen, sind treibende Kräfte, die Menschen in das Rabbit Hole ziehen. Studien zeigen, dass viele Deutsche weniger Zeit am Handy verbringen möchten, jedoch Schwierigkeiten haben, diesem Drang zu widerstehen. Das Internet bietet ständig neue und interessante Inhalte, die zum Verweilen einladen. Um dem entgegenzuwirken, empfehlen Experten Strategien wie das Setzen von Zeitlimits und das kritische Hinterfragen der Nützlichkeit der gesammelten Informationen.
Radikalisierung durch das Rabbit Hole
Eine besorgniserregende Dimension des Rabbit Hole ist seine Rolle im Prozess der Radikalisierung. Deutschlandfunk Kultur beschreibt wie der Rabbit-Hole-Effekt möglicherweise zur Entstehung von extremistischen Weltanschauungen beiträgt. Kommunikationsexperten betonen, dass der wissenschaftliche Nachweis der Auswirkungen von Algorithmen auf das Nutzerverhalten komplex ist, was die Diskussion erschwert. Insbesondere ist der Rabbit Hole Effekt im Kontext rechter Gewalt, wie dem Attentat von Buffalo, von Bedeutung.
Youtube hat in der Vergangenheit Schritte unternommen, um seinen Auswahl-Algorithmus zu ändern, um nicht nur die Verweildauer, sondern auch die Nutzerzufriedenheit zu erhöhen. Diese Maßnahme wurde von YouTube als erfolgreich beschrieben, da problematische Videos seit der Algorithmusänderung zurückgegangen sind. Dennoch bleibt die Debatte um die Verantwortung von Algorithmen und deren Rolle in der Verbreitung von extremistischen Inhalten bestehen. Kritiker, wie Kommunikationswissenschaftler Jonas Kaiser, warnen davor, den Rabbit-Hole-Effekt als alleinige Ursache für Radikalisierung zu betrachten, um von komplexeren Themen abzulenken, wie Waffengesetzen oder der Verbreitung von Verschwörungstheorien in den Medien.
Das Internet als Radikalisierungsraum
Das Internet ist ein zentraler Ort für rechtsextremistische Radikalisierung und wird von Extremisten gezielt genutzt. Laut einer Broschüre des Bundesamtes für Verfassungsschutz nutzen rechtsextremistische Akteure Plattformen wie Facebook, X (ehemals Twitter), Steam und Telegram zur Verbreitung rassistischer, antisemitischer und demokratiefeindlicher Propaganda. Diese Plattformen ermöglichen nicht nur die Vernetzung und Rekrutierung neuer Anhänger, sondern fördern auch die Mobilisierung von Sympathisanten.
Die digitale Infrastruktur trägt dazu bei, Radikalisierungsprozesse zu beschleunigen, die in gewalttätige Aktionen münden können. Zudem sind rechtsextreme Inhalte oft subkutan und mischen sich mit gesellschaftlich akzeptierten Themen, was die Grenzen des politischen Diskurses verschiebt. Sicherheitsbehörden in Deutschland arbeiten daran, extremistische Netzwerke im Internet zu überwachen und zu identifizieren, wobei eine nachhaltige Selbstregulierung der Betreiber großer Plattformen erforderlich ist. Es wird auf eine gemeinsame Verantwortung von Zivilgesellschaft und Online-Community hingewiesen, um Hass und Hetze im Internet entgegenzuwirken.