
Die Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) hat ihr Jahresgutachten an die Bundesregierung übergeben. In diesem Bericht wird die Notwendigkeit von Innovationen in der deutschen Wasserwirtschaft betont. Professorin Dr. Friederike Welter von der Universität Siegen, die Mitglied der EFI ist, hebt hervor, dass Deutschland aufgrund des Klimawandels zunehmend mit Wasserknappheiten konfrontiert wird. Dies erfordert ein Umdenken in der Wasserbewirtschaftung, um zukünftige Nutzungskonflikte zu vermeiden.
Laut dem Gutachten sind die Gewässerqualität und -verfügbarkeit durch verschiedene Faktoren, wie Düngemittel, Pestizide, Medikamentenrückstände und Mikroplastik, stark beeinträchtigt. Viele Wasserbetriebe zögern, neue Technologien einzuführen, da sie gleichzeitig die Wasserversorgung zu angemessenen Preisen sicherstellen müssen. Innovative Ansätze in der Wasserwirtschaft sind daher unerlässlich, insbesondere in Form von Reallaboren, die in der Nationalen Wasserstrategie vorgesehen sind. Diese sollen getestete Lösungen zur Optimierung der Wasserbewirtschaftung bieten.
Innovative Ansätze zur Wasserbewirtschaftung
Das EFI-Gutachten empfiehlt neben technologischen auch institutionelle Innovationen. Dazu gehören Anpassungen der Wasserentnahmerechte und Testungen von Wasserhandelssystemen. Zentrale Voraussetzung für die Entwicklung solcher Neuerungen sind umfassende Kenntnisse über Wasserentnahmeentgelte und die Preisgestaltung des Wassers. Die digitale Datenerfassung soll zeitnah vorangetrieben werden, um eine rationale Wasserbewirtschaftung zu ermöglichen.
Die Fragmentierung der deutschen Wasserwirtschaft stellt ein Hindernis für die Einführung innovativer Lösungen dar. Größere Versorgungsgebiete können hingegen mehr Anreize für die Entwicklung und Einführung neuer Technologien bieten. Daher sollten Konzepte entwickelt werden, die kleinere Versorgungseinheiten dazu ermutigen, größere Zusammenschlüsse einzugehen.
Zusätzlich zur Situation in Deutschland wurde auch in Österreich eine neue wissenschaftliche Initiative gestartet. Unter dem Titel „Wasser im Klimawandel – Unsere Wasserwirtschaft 2050+“ soll die Anpassung der Wasserwirtschaft an die klimatischen Veränderungen untersucht werden. Diese Forschungsstudie hat eine Laufzeit von zwei Jahren und wird von mehreren Partnern, darunter das Bundesministerium für Landwirtschaft und die Technische Universität Wien, durchgeführt.
Herausforderungen durch den Klimawandel
Die Herausforderung des Klimawandels manifestiert sich in Österreich durch verschiedene Faktoren, wie den Anstieg der Temperaturen, häufigere Extremwetterereignisse sowie längere Trockenperioden. Die Initiative fokussiert auf die Entwicklung von Strategien zur Anpassung an diese Veränderungen, um die Wasserversorgung und den Umweltschutz langfristig zu sichern.
Forschungsfragen beinhalten die Analyse von Niederschlagsmustern, Hochwasser- und Niedrigwasserereignissen und deren Einfluss auf Gewässer. Über neueste hydrologische Messdaten sollen detaillierte Modelle bis 2100 entwickelt werden, um klare Handlungsgrundlagen zu erarbeiten. Das Ziel ist, das Bewusstsein für die Herausforderungen des Klimawandels zu erhöhen und Verständnis für notwendige Anpassungsmaßnahmen zu schaffen.
Weltweit wird die Wasserversorgung durch den Klimawandel gefährdet, was die Notwendigkeit zur Absicherung von Wasserressourcen unterstreicht. Die EU-Institutionen haben sich verpflichtet, die Wasserversorgung in Europa zu sichern. Die Wasserrahmenrichtlinie der EU spielt hierbei eine zentrale Rolle, indem sie die Mitgliedstaaten verpflichtet, Süßwasserressourcen zu schützen und auszubauen. Dazu werden Bewirtschaftungspläne für Flusseinzugsgebiete und Maßnahmenprogramme in Sechsjahreszyklen erstellt.
Aktuelle EU-finanzierte Projekte, wie ECWRTI und SUBSOL, zielen darauf ab, innovative Lösungen in der Wasserversorgung zu entwickeln. Diese Projekte sind in vielerlei Hinsicht wegweisend und konzentrieren sich auf Schlüsselthemen wie Abwasseraufbereitung, Wassereffizienz und die Reduktion von Wasserbelastungen, um den Anforderungen des Green Deals und des Aktionsplans für die Kreislaufwirtschaft gerecht zu werden.