
Die Handelslandschaft zwischen den Vereinigten Staaten und zahlreichen Ländern hat sich heute, am 5. April 2025, drastisch verändert. US-Präsident Donald Trump hat umfassende Zölle in Höhe von 10 Prozent eingeführt, die um 12:01 Uhr ET (04:01 Uhr GMT) in Kraft traten. Diese Zölle wühlen nicht nur die internationalen Handelsbeziehungen auf, sondern erhöhen auch Sorgen über mögliche globale Handelskriege. Die Zölle gelten für Importwaren aus Ländern wie Australien, Großbritannien, Kolumbien, Argentinien, Ägypten und Saudi-Arabien, wobei die US-Regierung angibt, dass diese Maßnahmen auf einem „Fehlen von Gegenseitigkeit“ basieren.
Das Bulletin der US-Zoll- und Grenzschutzbehörde (CBP) legt fest, dass es keine Schonfrist für gestrandete Fracht gibt, während für Fracht, die vor Inkrafttreten der Zölle verladen wurde, eine 51-tägige Schonfrist gilt, die bis zum 27. Mai 12:01 Uhr ET dauert. Ab dem 9. April werden die Zölle auf bis zu 50 Prozent steigen. Insbesondere EU-Importe sind von einem 20-prozentigen Zoll betroffen, während die Zölle auf chinesische Waren auf insgesamt 54 Prozent ansteigen. Vietnam unterliegt einem 46-prozentigen Zoll, hat jedoch Verhandlungen mit der US-Regierung aufgenommen.
Wirtschaftliche Auswirkungen und Reaktionen
Ökonomen warnen vor den negativen Auswirkungen dieser Zollpolitik auf die US-Wirtschaft. Michael Strain vom American Enterprise Institute äußerte Bedenken, dass die neuen Zölle das wirtschaftliche Wachstum dämpfen und die Inflation anheizen könnten. Deutlich wird dies auch durch den dramatischen Rückgang des Wertes der S&P 500-Aktien um 5 Billionen Dollar innerhalb von nur zwei Tagen. Rohstoffpreise fielen, während Investoren sicherere Staatsanleihen bevorzugten.
Die umfassende Zollpolitik könnte auch die Handelsbeziehungen der USA zu anderen Ländern gefährden. China plant, als Reaktion bereits am 10. April einen 34-prozentigen Zoll auf US-Produkte einzuführen. Trump hat dabei deutlich gemacht, dass China „es falsch gespielt“ habe. Diese Situation wirft historische Parallelen zur Weltwirtschaftskrise der 1930er-Jahre auf, in der hohe Zölle zu einer globalen wirtschaftlichen Abwärtsspirale führten.
Zölle als Instrument der Handelspolitik
Nach den Beobachtungen der Welthandelsorganisation (WTO) sind Zölle ein reguläres Mittel der Handelspolitik, die vor allem zur Bildung von Einnahmen und zur Unterstützung heimischer Produzenten beitragen können. Zölle können aber auch als Druckmittel in der Außenpolitik dienen, wie Donald Trump demonstriert. Der Trend zum Protektionismus ist seit der Finanzkrise 2008/2009 zunehmend zu beobachten, und einige Schwellenländer folgen diesem Beispiel. Über die Jahre wurden Zölle weltweit schrittweise gesenkt, doch Trumps Politik scheint einen Rückschritt in der Liberalisierung des Handels darzustellen.
Die WTO fördert zwar die Liberalisierung des Welthandels und hat die rechtlichen Rahmenbedingungen für Zölle festgelegt, dennoch haben die USA unter Obama die Wirksamkeit dieser Regeln in Bezug auf Chinas Subventionen stark kritisiert. Jürgen Matthes vom Institut der Deutschen Wirtschaft hat die Rückkehr zu einem strategischen Protektionismus als besorgniserregenden Trend identifiziert, insbesondere da einige Länder bereits Zölle erhöhen.
Dennoch bleibt unklar, ob die US-amerikanische Wirtschaft den Druck dieser Zölle dauerhaft aushalten kann. Forscher warnen, dass die USA, die traditionell eine hohe Wettbewerbsfähigkeit und ein starkes Wirtschaftswachstum genossen, sich möglicherweise aus der globalen Arbeitsteilung zurückziehen und in eine wirtschaftliche Isolation appelliert werden könnten.