
Das Bauamt des Landkreises Nordwestmecklenburg in Grevesmühlen steht unter massiver Kritik. In einer aktuellen Untersuchung wurden gravierende Probleme bei der Bearbeitung von Bauanträgen festgestellt. Insbesondere die durchschnittliche Bearbeitungszeit von über viereinhalb Monaten für Anträge im vereinfachten Verfahren fällt ins Gewicht. Diese Hindernisse führen zu Frustration bei Bauherren und Unternehmern, die oft mit Verzögerungen und hohen Kosten konfrontiert werden. Die Genehmigungsquote des Landkreises ist mit nur 28 Prozent die schlechteste in Mecklenburg-Vorpommern.
Besondere Aufmerksamkeit gilt dem Fall von Marco Scheel aus Züsow, der daran gehindert wird, einen umgebauten Pferdestall zu nutzen. Ähnliche Probleme zeigen sich in Plüschow und Gallentin, wo Bewohner von Bahnwärterhäuschen mit Nutzungsuntersagungen konfrontiert werden. Dies sind nur einige der vielen Konflikte, die zwischen Bauherren und Behörden entstanden sind.
Problematische Genehmigungsverfahren
Ein Paradebeispiel für die Schwierigkeiten ist der Fall eines Paares in Dorf Mecklenburg, das aufgrund eines geforderten Schallschutzgutachtens über 36.000 Euro und eines langwierigen Genehmigungsverfahrens von fast einem Dreivierteljahr aufgegeben hat. Auch zahlreiche kleinere Projekte scheitern an vermeintlich kleinen Mängeln, wie eine anonyme ehemalige Mitarbeiterin des Amtes berichtet. Diese Verzögerungen führen zu einer spiralartigen Abwärtsspirale für die Betroffenen und dem Eindruck, dass die Bauaufsicht eine hohe Hürde darstellt, anstatt ein hilfreicher Partner zu sein.
Katrin Patynowski, Dezernatsleiterin und Vize-Landrätin, wies die Vorwürfe jedoch zurück. Sie nannte eine Genehmigungsquote von 69,5 Prozent für das Jahr 2024, was auf eine positive Entwicklung hindeutet. Von insgesamt 778 eingereichten Bauanträgen wurden 383 behandelt, davon 266 genehmigt. Patynowski stellte klar, dass die Dienstanweisung für eine Bearbeitungszeit von 14 Tagen gilt und dass bereits erste Erfolge erzielt werden konnten: Die Brücke über die Stepenitz wurde nach einem Planungsfehler wieder geöffnet und das Paar aus Lüdersdorf hat mit dem Bau ihres Hauses begonnen.
Transparenz durch digitale Dienste
Um die Prozesse zu verbessern, wurde der Online-Dienst „Bauen Online 2.0“ initiiert, der Antragstellern ermöglicht, ihre Bauanträge und deren Status jederzeit einzusehen. Über diese Plattform können Bürger auch benötigte Unterlagen nachreichen und den Bescheid online erhalten. Zusätzlich bietet das Bauportal wichtige Werkzeuge wie die Flurstücksinfo, die visuelle Informationen zu Grundstücken und möglichen Hindernissen liefert sowie den Bürger-Viewer, der Geodaten und Fachinformationen zum Bauen bereitstellt.
Ein weiteres nützliches Tool ist der Bauleitplanserver MV, der Bürgern ermöglicht, in Bebauungspläne einzusehen. Diese digitalen Lösungen zielen darauf ab, die Kommunikation zwischen dem Bauamt und den Antragstellern zu verbessern und die Transparenz im Genehmigungsprozess zu erhöhen.
Der Streit um die Bahnwärterhäuschen in Gallentin, der seit 2016 vor Gericht ausgefochten wird, stellt zudem eine Herausforderung für die Behörde dar. Bis jetzt hat der Landkreis in allen Instanzen gewonnen, doch die Behörde bemüht sich auch um einvernehmliche Lösungen im Zuge des Denkmalschutzes. Die Gesamtheit dieser Fälle zeigt deutlich die Komplexität und Vielschichtigkeit der Bauaufsicht in Nordwestmecklenburg, und dass trotz der angesprochenen Probleme positivere Entwicklungen in Sicht sind.
Insgesamt lässt sich sagen, dass die Herausforderungen für Bauherren in Nordwestmecklenburg erheblich sind. Doch die Behörde arbeitet daran, Verfahren zu optimieren und den Betroffenen zu helfen – auch wenn der Weg dahin durch zahlreiche Hürden geprägt ist. Die Unzufriedenheit vieler Bürger bleibt jedoch bestehen, und es bleibt abzuwarten, wie die Behörde auf die anhaltende Kritik reagieren wird.
Für weitere Informationen über den Prozess der Baugenehmigung und die aktuellen Dienstleistungen steht Nordwestmecklenburg] (https://service.nordwestmecklenburg.de/de/baugenehmigung-online.html) zur Verfügung, während detaillierte Informationen über die Zuständigkeiten und Aufgaben der Bauaufsichtsbehörden auf [Juraforum zu finden sind.
In dieser Gemengelage zeigt sich, dass eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen Bürgern und Behörden unerlässlich ist, um die vielen Herausforderungen in der Bauaufsicht zu meistern und ein positives Bauumfeld in der Region zu schaffen.