
In Neapel wird aktuell das „Vele“-Viertel abgerissen, das einst als Mafia-Hochburg und Drogenumschlagplatz der Camorra bekannt war. Dieser Abriss gilt als eine der bedeutendsten Baustellen Italiens und markiert einen Wendepunkt in der städtischen Planung und Entwicklung. Die „Vele“, architektonische Gewächse aus den 1960er und 1970er Jahren, sollten ursprünglich Platz für 70.000 Menschen bieten, blieben jedoch unvollständig und ohne grundlegende Infrastruktur.
Salvatore, ein 38-jähriger Arbeiter, unterstützt den Abriss der „Vele“, in denen er seine Kindheit verbrachte. Seine familiären Verstrickungen zur Drogenkriminalität sind tief; mehrere Verwandte sitzen wegen ihrer Rolle im Drogengeschäft im Gefängnis. Die Mauern, die für die meisten unüberwindbar schienen, wurden durch die Kontrolle der Mafia in den 1980er-Jahren noch undurchdringlicher. Diese Architektur förderte Kriminalität und erschwerte die polizeiliche Arbeit.
Ein dunkles Erbe
Die „Vele“ wurden als Antwort auf den Wohnungsmangel nach dem verheerenden Erdbeben 1980 erbaut, als viele Obdachlose in die maroden Strukturen umgesiedelt wurden. Statt ein sicherer Ort zu sein, entwickelte sich das Viertel zu einem Zentrum für organisiertes Verbrechen. Nach dem Zusammenbruch des öffentlichen Lebens begann Neapel Ende der 1990er-Jahre mit der Umsiedlung der verbliebenen Bewohner. Bis 2020 wurden vier der sieben „Vele“ abgerissen.
Im Januar 2025 verließen die letzten Bewohner die verbliebenen Gebäude und der Abriss der letzten zwei begann im April 2025. Dieser Prozess ist Teil eines ambitionierten neuen Projekts namens „Restart Scampia“, das nicht nur Wohnräume, sondern auch ein Bürgerzentrum sowie Kindertagesstätten schaffen soll. Die Planer betonen, dass sie aus den Fehlern der Vergangenheit lernen wollen, um eine nachhaltige Infrastruktur zu gewährleisten.
Hoffnung auf Wandel
Obwohl Salvatore skeptisch gegenüber dem neuen Projekt ist, äußert er eine gewisse Hoffnung, dass die Veränderungen in seinem Viertel eine positive Entwicklung bringen könnten. Die ersten neuen Gebäude sollen in eineinhalb Jahren fertiggestellt sein, wodurch eine Transformation des ehemaligen Drogenumschlagplatzes in eine lebendige Wohngegend angestrebt wird.
Die gegenwärtige Situation in Neapel steht im Schatten der Kriminalität, die durch die mafiaähnlichen Strukturen unterstützt wird. Schutzgeldforderungen und die ständige Angst vor Vergeltung zeigen nur einen Teil des drückenden Alltags vieler Neapolitaner. Eine Ladenbesitzerin, Raffaella, weigerte sich 2004, Schutzgeld zu zahlen und wandte sich an die Polizei, was zur Gründung einer Anti-Schutzgeld-Vereinigung führte. Immer mehr Geschäfte machen mit Aufklebern auf sich aufmerksam, die demonstrieren, dass sie keine Schutzgelder zahlen.
Der Abriss der „Vele“ könnte der Beginn einer neuen Ära für Neapel sein. Der Weg aus der Vergangenheit wird schwierig, aber die Hoffnung auf eine bessere Zukunft ist im Viertel Scampia lebendiger denn je.
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