
Am 15. Januar 2025 gelang ein bedeutender Fortschritt im jahrelangen Konflikt zwischen Israel und der Hamas: Unter Vermittlung Katars wurde eine Waffenruhe vereinbart, die am 19. Januar 2025 um 12:15 Uhr Ortszeit in Kraft treten soll. Der anhaltende Konflikt, der am 7. Oktober 2023 mit einem massiven Angriff der Hamas auf Israel begann, hat verheerende Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung beider Seiten gehabt. In der Zwischenzeit wurden über 1200 Menschen getötet und mehr als 250 Geiseln genommen, während die israelischen Streitkräfte Teile des Gazastreifens bombardierten und besetzten.
Bis heute sind schätzungsweise mehrere Zehntausend palästinensische Kämpfer und Zivilisten den Kämpfen zum Opfer gefallen. Hilfsorganisationen berichten zudem von weiteren Todesfällen, die auf die verheerenden Folgen des Konflikts zurückzuführen sind. Die UN schätzt, dass nahezu die gesamte Bevölkerung des Gazastreifens aus ihren Häusern vertrieben wurde, während Israel mehrere Hundert gefallene Soldaten und Sicherheitskräfte beklagt.
Details der Waffenruhe
Die ausgehandelte Vereinbarung umfasst nicht nur einen Waffenstillstand, sondern auch die Freilassung von Geiseln. Zunächst sollen 33 israelische Geiseln an die Hoffnung auf Frieden zurückkehren. Für jede zivile Geisel, die freigelassen wird, entlässt Israel 30 palästinensische Häftlinge, für jede Soldatin sind es 50. In den ersten Tagen der Waffenruhe ist geplant, dass die Hamas mindestens drei Geiseln pro Woche freigibt. Insgesamt hält die Hamas derzeit 94 Geiseln, darunter Frauen, Kinder und Männer über 50 Jahre.
Parallel dazu wird in der ersten Phase der Waffenruhe Israel schrittweise seine militärische Präsenz im Gazastreifen verringern. Unklar bleibt, aus welchen spezifischen Gebieten die israelischen Truppen abgezogen werden, wobei erwartet wird, dass der Rückzug vor allem aus dicht besiedelten Gebieten erfolgt.
Humanitäre Hilfe und die nächsten Schritte
Ein zentraler Punkt der Vereinbarung ist auch die Ermöglichung humanitärer Hilfe. Geplant ist, dass täglich 600 Lkw-Ladungen mit Hilfsgütern in den Gazastreifen gelangen, wobei 300 Lkw für den Norden des Gebiets vorgesehen sind.
Zusätzlich zu den bereits genannten Maßnahmen sollen in einer möglichen zweiten Phase der Verhandlungen alle verbleibenden Geiseln, einschließlich gefangener Soldaten, freigelassen werden. Darüber hinaus ist eine dritte Phase angedacht, die die Übergabe von Leichnamen und den Wiederaufbau des Gazastreifens umfasst.
Beide Seiten haben in Doha ausschließlich indirekt verhandelt, und die Einigung muss noch von der israelischen Regierung, die am Donnerstag zusammentritt, bestätigt werden. Politische Reaktionen zeigen eine Mischung aus Erleichterung und Skepsis. Während Donald Trump und Joe Biden die Verhandlungsergebnisse für sich reklamieren, gab es auch kritische Stimmen aus der israelischen Regierung, die auf mögliche Gefahren und unklare Punkte hinweisen.
In beiden Gebieten – Gaza und Tel Aviv – wird die Nachricht von der Waffenruhe mit Jubel und Feiern aufgenommen, während in der Region weiterhin Gewalt herrscht. Trotz der Erleichterungen standen in den letzten Tagen zahlreiche Palästinenser vor neuen Herausforderungen; über 70 Menschen kamen seit der Bekanntgabe der Waffenruhe ums Leben.
Die kommenden Tage und Wochen werden entscheidend sein, um zu überprüfen, ob diese Waffenruhe langfristig Bestand hat und ob eine nachhaltige Lösung für den seit langer Zeit bestehenden Konflikt erreicht werden kann.
Wie Focus berichtet, sind viele Fragen offen, insbesondere, was nach der ersten Phase der Waffenruhe geschehen soll. Experten schätzen, dass die Verhandlungen von entscheidender Bedeutung für die Stabilität in der Region sind. Laut Zeit müssen die konkreten Details der zweiten Phase dringend geklärt werden, um sicherzustellen, dass alle betroffenen Parteien an einem Strang ziehen. Der DW zufolge ist eine gründliche Umsetzung der Vereinbarungen notwendig, um das Vertrauen zwischen den Konfliktparteien zu stärken und eine Rückkehr zu nachhaltigem Frieden zu ermöglichen.