
Thomas Söding, Professor für Neues Testament an der Ruhr-Universität Bochum und Vizepräsident des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken (ZdK), hat in einer Reihe von Mittwochsgesprächen im Düsseldorfer Maxhaus eindringlich die Herausforderungen und Reformbedarfe der katholischen Kirche thematisiert. Dabei betonte er, dass die Kirche zwar an Einfluss verliert, dennoch aber eine essenzielle Rolle für die Demokratie spiele. Söding setzt sich intensiv für die Reformen im Rahmen des Synodalen Weges ein und hat kürzlich an der Weltsynode in Rom teilgenommen, wo die Weichen für tiefgreifende Veränderungen gestellt werden sollen. Er ist überzeugt, dass die Kirche sich von ihrer traditionell skeptischen Haltung gegenüber demokratischen Prozessen lösen muss, um als Säule der Demokratie zu wirken.
Die gegenwärtige Schwäche der Kirchen sei nicht nur auf gesellschaftliche Megatrends zurückzuführen, sondern auch auf hausgemachte Probleme, wie den Missbrauch geistlicher Macht. Söding fordert eine Stärkung der Rechte des Kirchenvolkes, um die katholische Kirche aus ihrer Verfassungskrise zu führen. Es seien garantierte Beteiligungsrechte notwendig, um die Mitbestimmung der Laien in Entscheidungsprozesse zu sichern. Mit seinem Aufruf appelliert Söding an eine grundlegend reformierte Kirche, die sich nicht nur auf Prinzipien zurückzieht, sondern die Komplexität gesellschaftlicher Probleme, wie in der Migrationspolitik, aktiv erkennt und bearbeitet.
Der Synodale Weg und seine Ziele
Der Synodale Weg, ein Reformprojekt, das 2019 von den deutschen Bischöfen ins Leben gerufen wurde, wurde durch die MHG-Studie über sexuellen Missbrauch angestoßen und verfolgt das Ziel, grundlegende Veränderungen in der katholischen Kirche zu realisieren. In der vierten Synodalversammlung im September 2022 in Frankfurt wurden bereits wichtige Entscheidungen getroffen, die als Signalwirkung für das Handeln der Kirche verstanden werden. Unter anderem fordern Bischöfe und Laien tiefgreifende Reformen in der Behandlung von Homosexualität sowie die Gleichstellung der Geschlechter und die Möglichkeit der Priesterweihe für Frauen. Dieser iterative Prozess wird bis März 2023 fortgeführt und schließt eine Vielzahl an Themen wie Macht und Gewaltenteilung, priesterliche Existenz sowie die Rolle der Frauen in der Kirche ein.
Dennoch gibt es Spannungen innerhalb der Kirche. Während progressive Kräfte Reformen unterstützen, stellt die konservative Fraktion, unter anderem Bischof Voderholzer, diese in Frage und hat sich berechtigt über die Diskriminierung queer lebender Menschen geäußert. Der Synodale Weg hat dabei einen beratenden Charakter; endgültige Entscheidungen liegen jedoch bei den Ortsbischöfen, was eine Fortdauer des Dialogs und der Differenzen zwischen den verschiedenen Gruppierungen in der katholischen Kirche notwendig macht.
Die weltweite Dimension der Synodalität
Kürzlich fand die Abschlussveranstaltung der zweiten Sitzungsperiode der Weltsynode statt, die von Papst Franziskus initiiert wurde. Seit 2021 verfolgt dieser das Ziel, eine neue Ära der Synodalität einzuleiten, mit einem klaren Fokus auf die Partizipation des Volkes Gottes und die Dezentralisierung der Macht innerhalb der Kirche. Diese Bestrebungen wurden durch die Aufforderung Papst Franziskus‘ verstärkt, den „Umhang der Verzagtheit“ abzulegen und sich den Herausforderungen der modernen Welt zu stellen. Er betont, dass die Synodalität der Mission der Kirche dient und einen entscheidenden Schritt in Richtung größerer Verantwortung für alle Gläubigen bedeutet.
Die synodalen Prozesse erfordern ein Umdenken und die Bereitschaft, die eigene Komfortzone zu verlassen – sowohl für Laien als auch für Kleriker. Mit einer Vielzahl an Interpretationen und Erwartungen wird die Umsetzung der Synodalität eine Herausforderung darstellen. Jede Ortskirche hat die Verantwortung, aktiv an dieser Transformation mitzuwirken und sich auf die entstehenden Spannungen einzustellen. Die Kirche steht somit in einer entscheidenden Phase, in der sowohl ihre demokratische Relevanz als auch der innere Reformprozess auf dem Prüfstand stehen.
Zusammenfassend betont Thomas Söding, dass es entscheidend sei, die aktuellen Reformbestrebungen ernst zu nehmen und aktiv an einer reformierten Kirche zu arbeiten, die sich nicht nur auf ihre Traditionen stützt, sondern auch für die aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen empfänglich ist. Durch die Stärkung der Rechte des Kirchenvolkes ist es möglich, eine katholische Kirche zu gestalten, die sowohl demokratisch als auch anpassungsfähig bleibt.
Für weitere Informationen zu Thomas Söding und seinen Positionen lesen Sie den Artikel von RP Online. Zudem bietet der Deutschlandfunk eine detaillierte Analyse des Synodalen Weges und seiner Umsetzungen. Informationen zur Weltsynode finden Sie auf Katholisch.de.