
Weltweit haben Millionen von App-Nutzenden ihre Standortdaten unbewusst zum Verkauf angeboten. Ein aktueller Datensatz zeigt, dass fast 800.000 Menschen in Deutschland von diesem Datenhandel betroffen sind. Diese Informationen sind so präzise, dass sie Rückschlüsse bis auf die Ebene einzelner Stadtteile erlauben, was zu ernsthaften Datenschutzbedenken führt.
Die Daten stammen aus nahezu 40.000 Apps für Apple- und Android-Geräte, einschließlich populärer Anwendungen wie Wetter Online, Flightradar24, Kleinanzeigen und Focus Online. Besonders besorgniserregend ist die Tatsache, dass die Wetter-App „Wetter Online“ in ihren Datenschutzbestimmungen den Austausch mit über 800 Partnerfirmen dokumentiert, einschließlich Unternehmen außerhalb der EU. Dies wirft Fragen über die Transparenz und den Schutz der Nutzerdaten auf, wie op-online.de berichtet.
Datenlebenszyklus und Datenschutzrisiken
Die Standortdaten können in Kombination mit Zeitstempeln vollständige Bewegungsprofile erstellen, die Aufenthaltsorte, Routinen und Vorlieben offenbaren. Diese Bewegungsprofile reichen von regelmäßigen Arbeitswegen bis hin zu Freizeitverhalten, das etwa Besuche in Restaurants oder Kinos umfasst. Sogar Hinweise auf gesundheitliche Ausgaben lassen sich ablesen, wenn Nutzer häufig Apotheken oder Kliniken besuchen. Unbemerkt von den Nutzern teilen auch weniger kritische Apps, die keine essenziellen Funktionen bieten, Standortdaten mit Datenhändlern. Dies stellt eine ernsthafte Gefährdung für die Privatsphäre der Nutzer dar, wie der WDR hervorhebt.
Besonders besorgniserregend ist ein Vorfall in Niederbayern, in dem eine Frau allein durch ihre Standortdaten identifiziert werden konnte. Dies erlaubt nicht nur Rückschlüsse auf den Wohnort, sondern kann auch sensible Gesundheitsdaten zugänglich machen, was mit der Erhebung von personenbezogenen Daten nach den Vorgaben der DSGVO in Konflikt steht, wie auch von datenschutzexperte.de erläutert wird.
Reaktionen und Empfehlungen
Angesichts dieser Vorfälle haben Datenschutzbehörden erste Schritte angekündigt und auf mögliche Bußgelder hingewiesen. Das Bundesverbraucherschutzministerium fordert zudem strengere EU-weite Regelungen gegen personalisierte Werbung. Der Verbraucherzentrale-Bundesverband kritisiert die Praktiken der Datenhändler und fordert mehr Transparenz im Umgang mit Nutzerdaten.
Nutzer sind eingeladen, proaktive Schritte zu unternehmen, um ihre Privatsphäre zu schützen. Dazu gehört, Standortzugriffe nur den notwendigen Apps zu erlauben, die Werbe-ID zurückzusetzen und nur vertrauenswürdige Apps zu installieren. Auch die Aktivierung von Datenschutzeinstellungen in iOS und Android, sowie das regelmäßige Überprüfen der Apps, die auf Standortdaten zugreifen, sind grundlegend, um eine ungewollte Datenweitergabe zu vermeiden.
Die Wichtigkeit von Wachsamkeit im Umgang mit sensiblen Daten kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Nutzer sollten sich regelmäßig über Datenschutzfragen informieren und kritisch mit Technologien umgehen, die personenbezogene Daten erheben. Die fortlaufende Diskussion über Datenschutz und Regulierung ist daher dringlich und notwendig.