
Am 27. Januar 2025 wurden sieben israelische Geiseln freigelassen, die über Monate hinweg in der Gewalt der Hamas im Gazastreifen waren. Der stellvertretende Chef des Sanitätskorps der israelischen Armee, Avi Benov, gab in einer Pressekonferenz Einblicke in den besorgniserregenden Gesundheitszustand der Frauen, die, wie berichtet, während des Hamas-Massakers am 7. Oktober 2023 verletzt worden waren. Alle Freigelassenen wiesen gravierende Verletzungen auf, die oftmals durch Granatsplitter verursacht wurden. Einige Geiseln hatten diese gefährlichen Fragmente sogar noch im Körper.
Die medizinische Versorgung der Geiseln war während ihrer Gefangenschaft äußerst unzureichend. Benov teilte mit, dass einige Frauen im Gazastreifen überhaupt keine medizinische Behandlung erhalten hatten. Die Erholungszeit wird lang und schwierig sein, da die Geiseln bereits bei ihrer Rückkehr unter Mangelernährung litten. Während ihrer ersten Tage in Israel wird ihren Körpern zur Förderung der Recovery nur eine kleine Menge an kohlenhydratreichem Essen angeboten. Später erhalten sie auch Gemüse und schrittweise wieder normale Mahlzeiten. Dies geschieht in einer geschützten Umgebung, in der den Geiseln Zeit gegeben wird, in Ruhe zu realisieren, dass sie nun in Sicherheit sind.
Grausame Misshandlungen dokumentiert
In einem Bericht, der an die UN-Sonderberichterstatterin für Folter, Alice Jill Edwards, übermittelt wurde, beschreibt Israels Gesundheitsministerium die schweren Misshandlungen, die nahezu alle Geiseln während ihrer Gefangenschaft erlitten haben. Der Gesundheitsminister Uriel Busso sprach von „grausamer Gewalt, psychischer Misshandlung, physischer Qualen und Akten, die sich jeglicher Vorstellungskraft entziehen“.
Diese Erkenntnisse sind das Ergebnis von Behandlungen, die an über 100 ehemaligen Geiseln durchgeführt wurden, darunter Männer, Frauen und Kinder. Viele der Geiseln waren körperlicher, seelischer und sexueller Gewalt ausgesetzt. Zu den typischen Methoden, mit denen die Willenskraft gebrochen wurde, zählten Isolationshaft, Hunger, Schlafentzug und Gewalt.
Berichten zufolge wurden die Geiseln während ihrer Zeit in Gefangenschaft geschlagen, gefesselt und ihnen wurde Nahrung sowie Wasser verweigert. Gewalt gegen Frauen war besonders alarmierend; sie hatten unter sexuellen Angriffen zu leiden und wurden gezwungen, sich vor männlichen Entführern auszuziehen. Die hygienischen Bedingungen waren extrem schlecht, und schmerzhafte medizinische Behandlungen wurden oft ohne Betäubung vorgenommen. Diese Erfahrungen führten zu tiefen psychologischen Traumata, die eine Rehabilitation dringend erforderten.
Öffentliche Reaktionen und politische Kritik
Die kritischen Umstände, unter denen die Geiseln gelitten haben, haben auch zu einer Welle der Empörung in der israelischen Öffentlichkeit geführt. In Tel Aviv versammelten sich über 1000 Menschen, die für die Freilassung aller israelischen Geiseln aus der Gewalt der Hamas demonstrierten. Einav Zangauker, die Mutter einer Geisel, äußerte auf der Demo ihren Traum von der Rückkehr der Geiseln und kritisierte scharf Ministerpräsident Netanjahu und dessen Umgang mit der Geiselfrage.
Die monatelangen Verhandlungen zur Freilassung der Geiseln und zur Beendigung des Konflikts blieben bisher ohne greifbare Ergebnisse. Viele Kritiker geben Netanjahu die Schuld daran, dass dieser keine ernsthaften Anstrengungen unternahm, um einen raschen Frieden zu erreichen. Zum Zeitpunkt des Überfalls am 7. Oktober 2022 töteten Hamas und ihre Verbündeten 1200 Menschen und verschleppten 250 Menschen in den Gazastreifen; derzeit befinden sich noch etwa 100 Geiseln in der Gewalt ihrer Entführer, von denen viele möglicherweise bereits verstorben sind.
Die impliciten und explicitischen Gewaltakte, die die Geiseln erleben mussten, werfen ein erschreckendes Licht auf die humanitären Bedingungen im Kontext des anhaltenden Konflikts zwischen Israel und der Hamas. Der Bericht über das Schicksal der Geiseln verdeutlicht nicht nur die brutalität der Gefangenschaft, sondern auch den dringenden Bedarf an umfassenden Programmen für die Rehabilitation und Integration der Überlebenden zurück in die Gesellschaft.