
Die Kölner CDU hat einen historischen Schritt gesetzt: Mit Serap Güler an ihrer Spitze wird die Partei erstmals von einer Frau geleitet. Güler, 44 Jahre alt, setzte sich bei der Wahl am vergangenen Samstag mit 75,4 Prozent der Stimmen gegen vier Mitbewerber durch. Der Vorstoß zur Wahl wurde notwendig, nachdem der ehemalige Parteichef Karl Alexander Mandl im März zurücktrat. Güler erklärte, dass die CDU Köln „turbulente Zeiten“ durchlebe und kündigte an, einen Neustart einzuleiten. Ihr Ziel ist es, die Fraktion in der kommenden Kommunalwahl im Herbst zu stärken.
Zusammen mit Güler wird Florian Braun als Stellvertreter fungieren, was die Delegation grundlegender Alltagsaufgaben erleichtern soll. Die neuen Vizeposten werden von Andreas Bohl, Janina Jänsch und Ira Sommer bestückt, wobei Oliver Kehrl aufgrund der Frauenquote nicht berücksichtigt werden konnte. In ihrer Ansprache forderte Güler ein offenes Angehen der Probleme in Köln und eine Schließung der innerparteilichen Gräben, um Stabilität zu schaffen.
Reaktionen auf die Wahl
Die Reaktionen auf ihre Wahl waren gemischt. So konnte ihr Konkurrent Mario Ebel, der 10,6 Prozent der Stimmen erhielt, seine Unzufriedenheit über die aktuellen Parteiverhältnisse und Gülers überraschende Kandidatur nicht verbergen. Er äußerte sich kritisch und sorgte damit für Aufsehen. Besondere Kontroversen entfachte Gundolf Siebeke, der Güler als „fatalen Richtungswechsel“ für die CDU bezeichnete und sie aufforderte, sich klar von Gewalt und extremistischen Gruppen zu distanzieren. Seine Äußerungen führten zu Empörung und Buhrufen im Parteitag.
Serap Güler wurde am 7. Juli 1980 in Marl geboren und ist seit 2021 Mitglied des Deutschen Bundestages. Vorher war sie von 2017 bis 2021 Staatssekretärin für Integration im Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration in Nordrhein-Westfalen. Güler wuchs als Kind türkischer Gastarbeiter auf; ihr Vater war Bergmann und ihre Mutter Reinigungskraft. Nach dem Abitur und einer Ausbildung zur Hotelfachfrau studierte sie Kommunikationswissenschaft und Germanistik.
Politischer Werdegang und Herausforderungen
Seit 2009 ist Güler Mitglied der CDU und engagiert sich für Themen wie die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse und die Verbesserung der Integrationspolitik. Besonders prägnant ist ihre Position, dass Sprachförderung bereits vor der Einschulung wichtig sei. In ihrem politischen Wirken hat sie sich auch wiederholt kritisch zur Integrationspolitik der vergangenen Jahrzehnte geäußert. Ein kontroverses Thema war ihre Beteiligung an der Initiative zum Verbot des islamischen Kopftuchs im Schulunterricht für unter 14-Jährige.
Die Wahl von Güler in eine Führungsposition spiegelt einen gewissen Wandel in der politischen Landschaft wider. Eine Studie der IU Internationalen Hochschule zeigt, dass eine Mehrheit der Befragten, sowohl in Deutschland (63,5 Prozent) als auch in den USA (69,2 Prozent), der Meinung ist, dass mehr Frauen in politischen Machtpositionen positive Auswirkungen auf die Politik hätten. Gülers Aufstieg könnte somit auch als Zeichen für eine wachsende Akzeptanz und Notwendigkeit von Diversität in der Politik interpretiert werden.
Güler, die auch in der katholischen Soziallehre verwurzelt ist und dem christlich-sozialen Flügel der CDU angehört, plant, ihre Vision einer stabileren und integrativeren CDU konkret umzusetzen. Auch wenn ihre Wahl mit einigen Kontroversen einherging, bleibt abzuwarten, wie sie ihr Amt in dieser entscheidenden Phase für die Kölner CDU gestalten wird.
Für mehr Informationen über Serap Güler und ihre politische Karriere finden Sie hier: Kölner Stadt-Anzeiger, Wikipedia und eine hilfreiche Studie über Frauen in der Politik: IU Internationalen Hochschule.