
Die Umstellung von G8 auf G9 an den bayerischen Gymnasien könnte den bereits bestehenden Lehrermangel weiter verschärfen. Der Bayerische Philologenverband schätzt, dass im kommenden Schuljahr durchschnittlich drei Vollzeit-Lehrkräfte pro Gymnasium fehlen werden. Diese Situation betrifft auch die Gymnasien im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen, wo die derzeitige Lage noch stabil ist, jedoch Unklarheiten über die Anzahl der neuen fünften Klassen und Lehrerzuweisungen bestehen. Schulleiter Stefan Nirschl äußert Besorgnis über mögliche Einschränkungen insbesondere in den Fächern Mathematik und Physik, die schon jetzt von einem Engpass betroffen sind. In diesen Fächern verzeichnet Bayern den größten Lehrermangel, während das Tölzer Gymnasium momentan gut ausgestattet ist, berichtet Merkur.
Die Anforderung neuer Lehrkräfte erfolgt im April, wobei die Zuweisung der Lehrer gegen Ende Juli bekannt gegeben wird. Die Herausforderungen im Lehrberuf sind vielschichtig. Einerseits leidet das System unter einem Mangel an neuen Lehrkräften und einer hohen Abbruchquote bei Lehramtsstudierenden. Das führt dazu, dass viele bestehende Lehrkräfte gezwungen sind, in Teilzeit zu arbeiten, um gesundheitliche Belastungen zu reduzieren. Schulleiter Thomas Wendl erwartet zudem zunehmend herausfordernde Planungssituationen. Christoph Beck, Schulleiter am Gymnasium Hohenburg, zeigt sich optimistisch und plant, Teilzeitkräfte aufzustocken und sogar Lehrkräfte aus dem Ruhestand zurückzuholen.
Belastungen für Lehrkräfte und Ausblick auf die Zukunft
Die Situation für Lehrkräfte hat sich seit der Corona-Pandemie verschärft. Frustration und Überlastung nehmen zu, was zur Abwanderung junger Lehrkräfte wie Rajka S. führt, die nach Abschluss ihres Referendariats eine Planstelle abgelehnt hat. Ihr Rückzug aus dem Schuldienst steht exemplarisch für die Herausforderungen, mit denen Lehrer konfrontiert sind, insbesondere in Bezug auf heterogene Klassen und erhöhten Betreuungsbedarf. Michael Schwägerl, Vorsitzender des Bayerischen Philologenverbands, spricht von einem Anstieg der Belastungen und der Notwendigkeit, ständig neue Aufgaben zu bewältigen, wie BR berichtet.
Für das kommende Schuljahr werden insgesamt 1.300 neue Gymnasiallehrer an bayerischen Gymnasien benötigt. Dies geschieht in einem Kontext, in dem die Schülerzahlen um rund 31.000 auf etwa 1,72 Millionen steigen. Der Druck auf Schulen, insbesondere in MINT-Fächern, wächst stetig. Viele Schüler sind von Unterrichtsausfällen betroffen, häufig ist im Stundenplan „Vertretung ohne Lehrer“ vermerkt.
Strategien zur Bekämpfung des Lehrermangels
Das Kultusministerium hat Schritte unternommen, um den Lehrermangel zu adressieren, darunter die Einführung von „Lehramtsbotschaftern“ zur Werbung für den Lehrerberuf. Diese Botschafter sollen die Erfahrungen aus den Schulen zurückmelden und die Attraktivität des Berufs steigern. Yanmin Stolz, bayerische Kultusministerin, betont die Notwendigkeit, offen über die Herausforderungen im Bildungsbereich zu sprechen. Maßnahmen wie Sprachkurse für neu zugewanderte Lehrkräfte werden angeboten, um die Integration zu fördern.
Gleichzeitig sind strukturelle Reformen sinnvoll, um den Lehrermangel nachhaltig zu bekämpfen. Vorschläge umfassen eine bessere Bezahlung, die Unterstützung durch Quereinsteiger sowie die Berücksichtigung der Lehreranzahl in der Planung der Lehramtsstudiengänge. Die gesellschaftliche Anerkennung des Lehrerberufs kann durch gemeinsame Anstrengungen verbessert werden. In diesem Zusammenhang wird auf finnische Modelle verwiesen, die eine hohe Wertschätzung für Lehrkräfte betonen und als Vorbild gelten können.