
Im Schatten wachsenden internationalen Handelskonflikten intensiviert die Europäische Union ihre Bemühungen um eine umfassende Handelskooperation mit Indien. Angesichts der angespannten Beziehungen zu den USA sucht die EU neue Handelspartner, um ihre Wirtschaftsinteressen zu sichern. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei dem geplanten Freihandelsabkommen, das noch im Jahr 2025 abgeschlossen werden soll, wie tagesschau.de berichtet.
Die EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen besuchte kürzlich Neu-Delhi, begleitet von führenden Kommissarinnen und Kommissaren aus Brüssel. Bei ihrem Besuch wurde die langjährige Partnerschaft zwischen der EU und Indien betont, die seit über 30 Jahren besteht. Von der Leyen unterstrich die Notwendigkeit, diese Zusammenarbeit insbesondere in digitalen Themen sowie im Bereich Rohstoffe zu vertiefen.
Strategische Partnerschaft im Fokus
Indiens Premierminister Narendra Modi lobte während des Treffens die strategische Partnerschaft mit der EU und hob hervor, dass diese auf Vertrauen und gemeinsamen Werten beruht. Die beiden Seiten haben die Verhandlungen über das Freihandelsabkommen, die nach einem mehrjährigen Stillstand im Jahr 2022 wieder aufgenommen wurden, als einen wichtigen Schritt in der Entwicklung ihrer Beziehungen angesehen.
Das Hauptziel der Gespräche ist, das Abkommen noch in diesem Jahr zu finalisieren. Dabei fordert die EU von Indien eine Senkung der Zölle auf wichtige Produkte wie Autos, Wein und Spirituosen. Auf der anderen Seite sieht Indien die Möglichkeit, den Zugang zu EU-Märkten für seine preiswerteren Medikamente und Chemikalien zu verbessern.
Erweiterte Sicherheitskooperation
Zusätzlich zu den Handelsanliegen zeigen beide Seiten Interesse an einer engeren Zusammenarbeit in den Bereichen Sicherheit und Verteidigung. Modi betonte, dass die Themen Cybersicherheit, maritime Sicherheit und die Bekämpfung von Terrorismus zentrale Anliegen seien. Diese Sicherheitsaspekte sind besonders in der gegenwärtigen geopolitischen Lage von Bedeutung.
Beide Partner sind sich bewusst, dass ihre Beziehungen nicht nur durch wirtschaftliche Interessen, sondern auch durch gemeinsame Werte wie Demokratie und Menschenrechte geprägt sind. Indien und die EU zählen zu den größten Demokratien der Welt und stehen vor ähnlichen Herausforderungen, wie etwa dem Klimawandel. Laut europarl.europa.eu könnte der Ukraine-Konflikt zudem die Notwendigkeit verdeutlichen, gemeinsam an der Wahrung der globalen Ernährungssicherheit zu arbeiten.
Ein weiterer wichtiger Aspekt der Kooperation ist die geopolitische Dynamik. Indiens Rolle als eines der am schnellsten wachsenden Länder mit einem jährlichen BIP-Wachstum von etwa 6% vor der COVID-19-Pandemie macht es zu einem attraktiven Partner für Investitionen. Die EU ist der drittgrößte Handelspartner Indiens und hat den Anteil ihrer Investitionen in diesem Zeitraum von 8% auf 18% gesteigert. Etwa 6.000 europäische Unternehmen sind in Indien aktiv und schaffen dort Millionen von Arbeitsplätzen.
Die Verhandlungen über das Freihandelsabkommen, die bereits im Juni 2022 wieder an Fahrt gewonnen haben, stehen also vor einer bedeutsamen Weichenstellung. Beide Seiten scheinen bereit, die Herausforderungen anzugehen und ihre wirtschaftlichen sowie sicherheitspolitischen Beziehungen auf eine neue Ebene zu heben.