
Das humanitäre Desaster in Sudan hat einen kritischen Punkt erreicht. Laut Informationen der Vereinten Nationen droht mehr als 600.000 Menschen der Hunger. Der UN-Menschenrechtschef Volker Turk äußerte ernsthafte Bedenken über die Lage in fünf besonders betroffenen Gebieten, zu denen auch das Zamzam-Flüchtlingslager in Nord-Darfur gehört. Hier sind die Bedingungen unhaltbar geworden, was zur Einstellung der Einsätze von Hilfsorganisationen wie der UN-Welternährungsorganisation (WFP) und Ärzte ohne Grenzen (MSF) geführt hat.
Diese Organisationen sahen sich gezwungen, ihre Tätigkeit auszusetzen, nachdem die Gewalt in der Region zugenommen hat. Türk bezeichnete die Situation in Sudan als die größte humanitäre Katastrophe der Welt. Er warnt, dass der Hunger sich in den kommenden drei Monaten auf fünf weitere Gebiete ausdehnen könnte. Aktuell gelten bereits 17 andere Gebiete als gefährdet. Die Hilfsorganisationen konnten im Zamzam-Lager vor den Kämpfen etwa 300.000 Menschen mit Nahrungsmitteln versorgen, aber in diesem Monat erreichte WFP nur etwa 60.000 Personen.
Auswirkungen des Krieges
Der seit April 2023 andauernde Konflikt hat nicht nur zehntausende Todesopfer gefordert, sondern auch mehr als 12 Millionen Menschen zur Flucht gezwungen. Die Infrastruktur ist stark beschädigt. Weniger als 30 Prozent der Krankenhäuser und Kliniken in Sudan sind noch funktionsfähig. Laut einem Bericht von Save the Children haben insbesondere Kinder unter den verheerenden Auswirkungen von Gewalt, Krankheit und Hunger zu leiden.
Die Cholera breitet sich im südlichen Bundesstaat Weißer Nil aus, was die Krisensituation weiter verschärft. Laut dem Gesundheitsministerium sind seit August 2024 über 55.000 Fälle und mehr als 1.400 Todesfälle aufgrund der Epidemie zu verzeichnen. Aktuell gibt es mindestens 70 Todesfälle und über 2.200 Infektionen.
Globale Aufmerksamkeit und Hilfsbedarf
Edem Wosornu, Direktor der Advocacy and Operations Division bei OCHA, betonte vor dem UN-Sicherheitsrat, dass die Krise als „menschenverursacht“ gilt. Die Zerstörung von Lebensmittelsystemen und kritischer Infrastruktur durch den anhaltenden Konflikt hat zu einem beispiellosen Anstieg der Nahrungsmittelunsicherheit geführt. Über 16% der Haushalte in betroffenen Gebieten berichten von katastrophaler Nahrungsmittelunsicherheit.
Wosornu und die FAO- stellvertretende Generaldirektorin Beth Bechdol forderten daher internationale Unterstützung. Ohne sofortige und ungehinderte humanitäre Hilfe drohen Millionen Menschen in die Hungersnot zu geraten. Die 2025 Sudan Humanitarian Needs and Response Plan benötigt insgesamt 4,2 Milliarden US-Dollar, um 21 Millionen Menschen zu unterstützen. Zusätzlich sind 1,8 Milliarden Dollar erforderlich, um Flüchtlingen in Nachbarländern zu helfen.
Die Situation erfordert dringend Maßnahmen zur Wiederherstellung der Lebensmittelproduktion und zur Verbesserung der Marktbedingungen. Die ernährungsphysiologische Situation wird als kritisch eingestuft, wobei die örtlichen Gemeinschaften zunehmend auf Nothilfen angewiesen sind. Die UN hebt hervor, dass es essenziell ist, das Bewusstsein für die humanitäre Lage zu steigern und Maßnahmen zur Behebung der Hungerkrise sofort umsetzen zu müssen.
Schließlich muss auch die WHO in Erwägung ziehen, ihre Emergency Medical Teams (EMT) vor Ort zu entsenden, um die dringenden medizinischen Bedürfnisse zu adressieren. Diese Teams könnten innerhalb von 72 Stunden medizinische Nothilfe leisten, was in einem so kritischen Szenario lebenswichtig ist.