
Am 3. April 2025 hat Israel seine Militärpräsenz im Gazastreifen massiv ausgeweitet. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kündigte an, dass die israelische Armee Vorstöße in den Korridor zwischen Rafah und Chan Junis unternimmt. Er betonte: „Wir erobern die Morag-Route“, eine Siedlung, die Israel im Jahr 2005 geräumt hatte. Verteidigungsminister Israel Katz erklärte, dass umfassende Gebiete des Gazastreifens zu israelischen „Sicherheitszonen“ erobert werden sollen. Berichten der Jerusalem Post zufolge kontrolliert die israelische Armee mittlerweile fast 30 Prozent des Gazastreifens.
Der Generalstabschef der israelischen Armee, Ejal Zamir, betonte in diesem Kontext, dass der militärische Vormarsch nur durch die Freilassung israelischer Geiseln gestoppt werden kann. Aktuell befinden sich 24 lebende Geiseln und die sterblichen Überreste Dutzender anderer Geiseln in der Gewalt palästinensischer Terroristen. Die Gesundheitsbehörde der Hamas meldete unterdessen über 70 Tote aufgrund von israelischen Einsätzen, wobei die Angaben schwer zu überprüfen sind.
Proteste und humanitäre Krise
In Beit Lahia fanden Proteste gegen die Hamas und den Krieg im Gazastreifen statt, bei denen Hunderte von Menschen einen Rückzug der Hamas forderten. Während die israelische Luftwaffe offenbar gezielte Angriffe fortsetzt, darunter einen Luftangriff auf eine Klinik des UN-Palästinenserhilfswerks UNRWA in Dschabalija, bei dem mindestens 19 Menschen, darunter neun Minderjährige, getötet wurden, hat sich die humanitäre Krise weiter verschärft. UNRWA-Chef berichtete von über 700 Binnenvertriebenen, die sich zur Zeit des Angriffs in der Klinik aufhielten.
Die Absicht Israels, den Krieg gegen die Hamas fortzusetzen, wird von der anhaltenden Rekrutierung neuer Kämpfer der Hamas untergraben. Berichten zufolge hat die Hamas mehr neue Kämpfer rekrutiert, als während des Krieges getötet wurden. Fayez Abu Shamaleh, ein ehemaliger Bürgermeister von Khan Yunis, erklärte, dass viele junge Palästinenser aus Rache zur Hamas strömen.
Internationaler Kontext und Waffenruhe
Israel verfolgt das Ziel, die Hamas zu vernichten. Seit dem Beginn des Konfliktes am 7. Oktober 2023, als ein Überfall der Hamas auf Israel über 1.200 Menschen tötete und 250 entführte, hat die israelische Armee eigenen Angaben zufolge fast 20.000 palästinensische Kämpfer getötet. Dennoch stellt sich die Frage, ob ein militärischer Sieg tatsächlich möglich ist.
Eine jüngste Feuerpause trat in Kraft, währenddessen drei israelische Geiseln freikamen. Die Vereinbarung sieht vor, dass 33 Geiseln freikommen sollen und 1.900 Palästinenser aus israelischen Gefängnissen entlassen werden. Allerdings lehnt die Hamas Israels Gegenvorschlag für eine ausgeweitete Waffenruhe bisher ab, was die Situation weiter destabilisieren könnte.
Inmitten dieser angespannten Lage reist Ministerpräsident Netanjahu nach Ungarn. Es ist sein erster Besuch in Europa seit dem Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs gegen ihn. Mit ungarischen Premierminister Viktor Orban sind Gespräche über die aktuelle Situation geplant, obwohl Details noch unklar sind.
Der anhaltende Konflikt hat massive Zerstörungen verursacht und die Vertreibung von rund 90 Prozent der Gazabevölkerung zur Folge gehabt. Trotz der widrigen Umstände zeigt die Hamas weiterhin Aktivitäten und hat bis kurz vor der Feuerpause Raketen auf Israel abgefeuert. Yair Golan, ehemaliger stellvertretender Generalstabschef, äußert Zweifel an der Möglichkeit eines „totalen Sieges“ über die Hamas und fordert eine Alternative für die Menschen im Gazastreifen.
Zusammenfassend zeigt die Situation im Gazastreifen, dass die militärischen und politischen Herausforderungen sowohl auf israelischer als auch auf palästinensischer Seite komplex und vielschichtig sind. Die Anzeichen einer humanitären Katastrophe werden immer deutlicher, während gleichzeitig die politischen Perspektiven unklar bleiben.