
Fünf Tage nach dem verheerenden Erdbeben in Myanmar konnten Rettungskräfte einen 26-jährigen Mann lebend aus den Trümmern bergen. Diese Rettungsaktion fand in der Hauptstadt Naypyidaw kurz nach Mitternacht (Ortszeit) statt. An dem erfolgreichen Einsatz waren sowohl türkische als auch einheimische Rettungsteams beteiligt. Das Beben, das eine Stärke von 7,7 auf der Richterskala hatte, hatte am 28. März eine Katastrophe unvorstellbaren Ausmaßes ausgelöst.
Das Tagesspiegel berichtet, dass das Epizentrum des Erdbebens etwa 16 Kilometer nordwestlich der Stadt Sagaing lag. Berichten zufolge sind über 2700 Menschen bei diesem Unglück ums Leben gekommen, was die Situation dramatisch kennzeichnet.
Umfang der Zerstörung
Die Militärregierung Myanmars meldet bisher 2.056 Todesopfer sowie mehr als 3.900 Verletzte und über 270 Vermisste. Analysten der US-Erdbebenwarte schätzen, dass die Zahl der Opfer sogar über 10.000 steigen könnte. Die ZDF hebt hervor, dass in vielen Regionen die Strom- und Wasserversorgung unterbrochen ist, was das Risiko für wasser- und lebensmittelübertragene Krankheiten erheblich erhöht.
Die WHO hat höchste Notfallstufen ausgerufen und benötigt dringend 8 Millionen Dollar (ca. 7,4 Millionen Euro) zur Unterstützung der Hilfsmaßnahmen. In den betroffenen Gebieten fehlt es an Lebensmitteln und medizinischer Versorgung; Anwohner berichten von mangelhafter staatlicher Unterstützung und suchen selbst verzweifelt nach vermissten Angehörigen.
Notlage der Bevölkerung
In der Provinz Sagaing beklagen sich die Bewohner über die verzögerte Ankunft humanitärer Hilfe. Viele Gebäude sind eingestürzt, und die Menschen suchen Zuflucht in Klöstern und auf Fußballfeldern aus Angst vor Nachbeben. Insgesamt sind circa 19,9 Millionen Menschen in Myanmar auf humanitäre Hilfe angewiesen, was mehr als einem Drittel der Bevölkerung entspricht, so die Angaben der UN.
Die Welthungerhilfe hat 100.000 Euro für die Hilfe in Myanmar bereitgestellt. Der Landesdirektor Henry Braun betont die weitreichenden Schäden, die nicht nur durch das Beben verursacht wurden, sondern auch durch frühere Überschwemmungen und anhaltende Konflikte. Die Organisation plant, Unterstützung in Form von Nahrungsmitteln, Bargeld und Hygieneartikeln auszubauen.
Die gegenwärtige humanitäre Katastrophe wird durch die Zerstörung wichtiger Infrastrukturen wie Flughäfen, Brücken und Straßen noch verschärft. Die Menschen in der Region kämpfen verzweifelt um ihr Überleben, während sie gleichzeitig mit den Folgen eines bereits bestehenden humanitären Bedarfs konfrontiert sind. Der Welthunger-Index 2024 stellt Myanmar mit einem Wert von 15,7 auf Platz 74 von 127 Ländern, was auf ein moderates Hungerniveau hinweist. Viele Familien sind auch aufgrund von Krieg und Vertreibung in akuter Not, was die Lage weiter verschärft.