
Im Zentralgebäude der Polizei in Bergheim wurde kürzlich ein bemerkenswerter Podcast von zwei 15-jährigen Schülern, Thanu und Marcel, präsentiert. Der Podcast befasst sich mit dem Thema Cybergrooming, einer ernsten Problematik, die immer mehr in den Fokus der Öffentlichkeit rückt. Cybergrooming bezieht sich auf das gezielte Ansprechen von Kindern durch Erwachsene im Internet, oft mit dem Ziel des sexuellen Missbrauchs. Die beiden Schüler haben in Zusammenarbeit mit der Polizei des Rhein-Erft-Kreises ihren Podcast in 17 Sprachen übersetzt, um Sprachbarrieren abzubauen und ein breiteres Publikum zu erreichen. Dieser Schritt ist besonders wichtig, da bei Elternabenden festgestellt wurde, dass viele Eltern Schwierigkeiten haben, die Inhalte zu verstehen, die für den Schutz ihrer Kinder entscheidend sind.
Den NRW-Innenminister Herbert Reul beeindruckte das Engagement der Jugendlichen. Er überreichte ihnen über 40 Urkunden als Anerkennung für ihre Arbeit und ihr Interesse am Thema. „Sicher im Netz“, so der Titel des Projekts, welches vor etwa vier Jahren begann, hat es sich zur Aufgabe gemacht, Schüler über die Gefahren im Netz zu informieren. Begleitend läuft das Projekt Medienscouts, das an 1200 Schulen in Nordrhein-Westfalen durchgeführt wird. Die Medienscouts sollen ihr Wissen an Mitschüler weitergeben und so eine breite Aufklärung erreichen.
Die Gefahren des Cybergroomings verstehen
Cybergrooming ist nicht nur ein wiederkehrendes Thema in Schulen, sondern betrifft auch das familiäre Umfeld. Laut Angaben von Peter Kikulski, dem Leiter der Direktion Kriminalität im Rhein-Erft-Kreis, gab es im Jahr 2024 etwa 300 gemeldete Fälle von Cybergrooming, mit einer bemerkenswerten Aufklärungsquote von knapp 90 Prozent. Diese Zahlen verdeutlichen die Dringlichkeit, mit der das Thema behandelt werden muss. Europol warnt zudem vor organisierten Gruppen, die gezielt Kinder und Jugendliche im Internet ansprechen und versuchen, sie zu sexuellen Handlungen zu bewegen.
Die edukativen Maßnahmen fallen in den Verantwortungsbereich der Lehrer, die als wichtige Ansprechpersonen für Kinder und Jugendliche agieren. Lehrkräfte sind aufgefordert, dieses Thema verstärkt im Unterricht zu behandeln. In einer Befragung der Landesanstalt für Medien NRW gaben 67 % der Kinder und Jugendlichen an, dass sie sich eine intensivere Behandlung des Themas in Schulen wünschen. Unterrichtseinheiten zu Cybergrooming, die auf die Risiken und Schutzmaßnahmen abzielen, sind daher essentiell. Materialien dazu werden kostenlos zur Verfügung gestellt, einschließlich Videos und Informationsblätter von vertrauenswürdigen Institutionen.
Ressourcen und Hilfsangebote
Für Lehrkräfte und Schüler stehen verschiedene Ressourcen zur Verfügung, um sich über Cybergrooming und dessen Gefahren zu informieren. Plattformen wie fragzebra.de bieten nicht nur Erklärfilme, sondern auch Möglichkeiten zur Wissensüberprüfung. Betroffene Kinder können dort zudem Fälle von Cybergrooming an die Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime Nordrhein-Westfalen (ZAC NRW) melden. Im Notfall ist es wichtig, sich umgehend direkt an die Polizei zu wenden.
Der Podcast der Schüler ist seit kurzem auf verschiedenen Kanälen verfügbar, unter anderem auf der Homepage der Polizei. Er stellt einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung über Cybergrooming dar und zeigt das große Potenzial, das in der Vermittlung von Medienkompetenz und Sicherheit im Internet steckt. Initiativen wie diese stärken das Bewusstsein für diese gefährliche Praxis und tragen dazu bei, Kinder und Jugendliche besser zu schützen.