
In einer Kirchengemeinde in Niederbayern, genauer gesagt im Bistum Passau, stehen ein Pfarrer und die Diözese im Zentrum eines eklatanten Konflikts. Der Pfarrer, dessen Name nicht genannt wurde, hat über seinen Anwalt erklärt, dass er nicht beabsichtigt, zurückzutreten. Dennoch berichtete das Bistum Passau, dass der Pfarrer seinen Rückzug angekündigt habe, was Bischof Stefan Oster zum Anlass nahm, diesen Rücktritt zu akzeptieren. Dies geschah im Kontext eines bereits länger bestehenden Streits innerhalb der Pfarrei, der als „tiefer Riss“ beschrieben wird, und der nicht nur den Pfarrer betrifft, sondern auch die Gemeinde erheblich polarisiert.
Der Anwalt des Pfarrers, Holm Putzke, wies die Aussagen des Bistums zurück. Laut seinen Äußerungen handele es sich um ein Missverständnis. Er betonte, dass der Pfarrer nicht erklärt habe, sich aus dem Pfarrverband zurückzuziehen. Vielmehr sieht er keinen Grund für einen Rücktritt und bezeichnet die Vorwürfe, die in der Pressemitteilung des Bistums geäußert wurden, als unbegründet und vage.
Vorwürfe und Verantwortung
Die Vorwürfe, die gegen den Pfarrer erhoben werden, sind schwerwiegend. Sie betreffen mutmaßliches Fehlverhalten in der Jugendarbeit sowie „geistliche Manipulation“. Insbesondere wird dem Pfarrer ein exzessiver Umgang mit Alkohol unterstellt, was zu einem skandalösen Umgang mit Jugendlichen während Ausflugsfahrten geführt haben soll. Ein 151 Seiten starkes Gutachten von dem Recherchenetzwerk „Correctiv“ dokumentiert diese Vorwürfe und beleuchtet die problematischen Umstände, die zur Eskalation des Konflikts beigetragen haben.
Bischof Oster plant, den Rücktritt des Pfarrers sowohl vom Pfarrverband als auch von der Position des Dekans zum 24. März 2025 anzunehmen. Der Pfarrer hat jedoch mitgeteilt, dass er bedauert, diese Fehler begangen zu haben, und ausdrücklich seine Mitverantwortung für die Konflikte in der Gemeinde signalisiert. Dies geschieht vor dem Hintergrund neuer, bisher unbekannter Vorwürfe, die dem Bistum zugeleitet wurden und die nun auch den staatlichen Ermittlungsbehörden vorgelegt werden.
Die Reaktion der Diözese
Das Bistum hat bereits Schritte in die Wege geleitet, um den Vorwürfen nachzugehen. Eine kirchenrechtliche Prüfung wurde in Rom initiiert, und eine externe Anwaltskanzlei ist in den Prozess involviert. Der Anwalt des Pfarrers bezeichnet die Situation weiterhin als Fehlinterpretation der Ereignisse und hat versucht, Kontakt zu Bischof Oster aufzunehmen, was jedoch nicht erfolgreich war.
In dieser turbulenten Situation bleibt unklar, wie die Gemeinde auf die Entwicklungen reagieren wird. Der Pfarrer, obwohl er seine Fehler eingestanden hat, möchte seine seelsorgerische Tätigkeit weiterhin mit Leidenschaft und Verantwortungsbewusstsein ausführen. Dies zeigt, wie komplex und schambesetzt die Themen innerhalb der katholischen Kirche derzeit sind, die durch die öffentliche Diskussion um sexuellen Missbrauch in der Institution zusätzlich belastet werden.
Für viele Gemeindemitglieder stellt sich nun die Frage, wie die Diözese mit dem „tiefen Riss“ umgehen wird, der nicht nur den Pfarrer, sondern auch die gesamte Gemeinschaft betrifft. Die Situation könnte langfristige Auswirkungen auf die Beziehungen innerhalb der Gemeinde und die Wahrnehmung der Kirche in der Öffentlichkeit haben.