
Die Diskussion um Menstruationsarmut erlebt in Japan eine neue Dynamik. Am 3. April 2025 hielt die 27-jährige Politikerin der Kommunistischen Partei, Ayaka Yoshida, eine Pressekonferenz, um ihre Erfahrungen und die drohenden Herausforderungen für Frauen im Land zu beleuchten. Yoshida berichtete von über 8000 Morddrohungen, die sie nach einer überraschenden Mitteilung auf X (ehemals Twitter) über ihre Menstruation erhalten hatte. Sie wies darauf hin, dass sie in eine Rathaus-Toilette ging und keine Damenbinden vorfand, was ihre Situation während der Periode weiter erschwerte. Diese Situation ist nicht nur ein individuelles Problem, sondern stellt ein viel größeres gesellschaftliches Anliegen dar.
Yoshida forderte, dass Damenbinden wie Toilettenpapier in öffentlichen Einrichtungen zur Verfügung stehen sollten. In Japan gibt es bereits eine kontroverse und zunehmende Diskussion über dieses Thema. Während einige Schulen und Gemeinden kostenlose Binden anbieten, gibt es auch Automaten für den Kauf von Hygieneartikeln in vielen Frauentoiletten. Darüber hinaus hat ein Start-up einen diebstahlsicheren Spender für Damenbinden entwickelt, der über eine Smartphone-App zugänglich ist. Doch Kritiker haben Yoshida und anderen Befürworterinnen dieses Anliegens Selbstsucht vorgeworfen, was zeigt, wie kontrovers und emotional dieses Thema aufgeladen ist.
Menstruationsarmut als globale Herausforderung
Menstruationsarmut ist ein anhaltendes Problem, das weltweit zahlreiche Frauen und Mädchen betrifft, die sich keine Hygieneartikel leisten können. Laut einem Bericht von UN Women sind viele Frauen gezwungen, während ihrer Periode Zuhause zu bleiben und können nicht zur Schule oder zur Arbeit gehen. Die Ursachen für diese Armut sind vielfältig; hohe Preise durch Steuern, fehlendes Wissen und gesellschaftliches Stigma spielen hier eine entscheidende Rolle. In vielen Ländern, auch in Deutschland, sind die Menstruationsprodukte mit finanziellen und gesundheitlichen Belastungen verbunden.
Die Debatte um Menstruationsprodukte wird zunehmend auch im Rahmen von Umweltschutz und sozialer Ungleichheit behandelt. Im September wird das neue AMAZONEN Magazin veröffentlicht, welches von einem Frauen*team unterstützt wird. Es thematisiert die Verbindung zwischen Menstruation und diesen brisanten gesellschaftlichen Problemen und bringt Artikel wie „Blut ist schwerer als Wasser – von wässrigen Wahlprogrammen und tiefroter Rebellion“ hervor. Das Magazin verweist darauf, dass Einweg-Menstruationsprodukte bis zu 90 % aus Plastik bestehen und gesundheitsschädliche Chemikalien enthalten können.
Politische Initiativen und soziale Aufklärung
Zusätzlich zur Unterstützung lokaler Initiativen betont die Entwicklungsministerin Svenja Schulze, dass weltweit über 600 Millionen Mädchen und Frauen keinen Zugang zu Hygieneprodukten haben. Sie setzt sich dafür ein, dass diskriminierende gesellschaftliche Strukturen überkommen werden, um Gleichberechtigung für Frauen, Mädchen sowie andere marginalisierte Gruppen zu fördern. Dazu zählen Aufklärungskampagnen über Menstruation, die eine unverzichtbare Rolle in der Arbeit des BMZ in Partnerländern spielen.
Um das Bewusstsein zu schärfen, wird die #LetsTalkPERIOD Kampagne auf weitere Länder in Afrika ausgeweitet. Innovative Ansätze wie das Programm „Sanitation for Millions“ bieten wichtige Informationen zu einem gesunden Umgang mit der Periode. In Südostasien engagiert sich das BMZ auch mit dem Programm „Fit for School“, um die sanitäre Versorgung in Schulen zu verbessern; so haben über 27 Millionen Schüler*innen auf den Philippinen Informationsmaterialien über Menstruationsgesundheit erhalten.
Die Menstruation als Thema bleibt ein Tabu, obwohl es Jahr für Jahr Millionen Menschen betrifft. Die Politiken und Initiativen, die sowohl in Japan als auch global auf den Weg gebracht werden, sind entscheidend, um das Bewusstsein für und den Zugang zu notwendigen Hygieneartikeln zu fördern.