
Ein Forschungsteam der Universitätsmedizin Mainz hat einen innovativen Test zur Ausschlussdiagnose des Post-COVID-Syndroms (PCS) entwickelt. Dieser Test basiert auf einem umfangreichen Fragebogen und integriert Daten aus einer größeren Datenbank. Ziel ist es, die Diagnose des PCS, die derzeit aufwendige und kostenintensive Ausschlussdiagnosen erfordert, erheblich zu erleichtern und zuverlässiger zu gestalten. Die Details dieser Entwicklung wurden im European Journal of Epidemiology veröffentlicht.
Der neue Test wird für das medizinische Fachpersonal über eine Web-Applikation zugänglich sein, um eine schnelle und einfache Anwendung im Praxisalltag zu gewährleisten. Entwickelt wurde die Methode mit Daten von über 900 Teilnehmern der Gutenberg COVID-19 Studie, die zwischen Oktober 2020 und Januar 2022 durchgeführt wurde. Untersucht wurden Personen mit wissentlich und unwissentlich durchgemachter SARS-CoV-2-Infektion sowie eine Kontrollgruppe ohne Infektion.
Langzeitsymptome und deren Häufigkeit
Die Studie ergab, dass etwa ein Drittel der Personen mit wissentlich durchgemachter Infektion und ein Viertel der unbemerkten Infektion über Langzeitsymptome berichteten. Auch in der Kontrollgruppe zeigten 25 % der Teilnehmer Langzeitsymptome, was die Belastung durch PCS verdeutlicht. Insgesamt wurden 21 Langzeitsymptome identifiziert, die sich zwischen den verschiedenen Gruppen unterscheiden. Zu den häufigsten Beschwerden zählen anhaltende Erschöpfung, Kurzatmigkeit, sowie Konzentrations- und Gedächtnisprobleme.
Aktuelle Schätzungen des Robert Koch-Instituts deuten darauf hin, dass zwischen 6 % und 15 % der Bevölkerung von Langzeitfolgen einer COVID-19-Erkrankung betroffen sein könnten. Diese Langzeitbeschwerden, die länger als drei Monate nach einer Infektion bestehen, stellen nicht nur eine Herausforderung für die betroffenen Personen, sondern auch für das Gesundheitssystem dar.
Herausforderungen und Therapieansätze
Vier Jahre nach dem Höhepunkt der COVID-19-Pandemie bestehen weiterhin signifikante Herausforderungen im Umgang mit PCS. Millionen Menschen weltweit leiden an den Symptomen, die 10–20 % der Genesenen betreffen. Das klinische Management dieses Syndroms gestaltet sich schwierig, da spezifische Biomarker und evidenzbasierte Behandlungsansätze weitgehend fehlen. Die Ursachen sind vielfältig und umfassen unter anderem virale Persistenz, Autoimmunreaktionen, sowie mitochondriale Dysfunktionen, die mit anhaltenden Symptomen assoziiert sind. Innovative telemedizinische Lösungen könnten dabei helfen, den Zugang zu spezialisierten Behandlungen zu verbessern, was besonders im Kontext der interdisziplinären Diagnosestellung von Bedeutung ist, die derzeit ebenfalls vor Herausforderungen steht.
Die Therapieansätze sind derzeit breit gefächert und beinhalten unter anderem Off-Label-Therapien, aber eine generelle Evidenz, die eine spezifische Therapie rechtfertigt, fehlt. Langfristige Forschung ist notwendig, um die pathophysiologischen Mechanismen des Syndroms besser zu verstehen und personalisierte Behandlungsstrategien zu entwickeln. In Deutschland zeigt eine kürzlich durchgeführte Analyse, dass die Häufigkeit eines dokumentierten Post-COVID-Zustands bei 8,7 % lag, wobei die höchsten Behandlungsprävalenzen im 2. Quartal 2022 zu verzeichnen waren.
Der neue Test der Universitätsmedizin Mainz bietet dem medizinischen Fachpersonal eine wertvolle Unterstützung, um PCS mit hoher Wahrscheinlichkeit auszuschließen. Dennoch bleibt die weiterführende diagnostische Abklärung erforderlich, da positive Testergebnisse auch bei Personen ohne das Syndrom auftreten können. Aktuell konzentrieren sich die Bemühungen sowohl auf Forschung als auch auf die Verbesserung der klinischen Praxis, um eigenständige, evidenzbasierte Therapien für Patienten mit Post-COVID-Syndrom zu entwickeln.