
Die Herausforderungen im Bereich des Glasrecyclings sind mannigfaltig und verlangen einen engagierten Einsatz der Mitarbeiter. Barbara Gessner arbeitet bei der Firma Glasrecycling Nord (GRN) in Wahlstedt, wo sie für die grobe Kontrolle des ankommenden Materials verantwortlich ist, bevor die technischen Anlagen übernehmen. Gessner trägt dabei Sicherheitsschuhe, eine Schutzbrille, Gehörschutz, eine abwaschbare Schürze und Schnittschutzhandschuhe, um sich in der rauen Arbeitsumgebung zu schützen. In der Frühschicht verarbeitet die Organisation etwa 100 Tonnen Weißglas.
Zu den Herausforderungen, mit denen Gessner konfrontiert ist, gehören diverse Abfälle, die aus Glascontainern stammen. Diese umfassen nicht nur Glas, sondern auch Lebensmittelreste und andere unbrauchbare Materialien. Ihre Vorliebe für Glas führt dazu, dass sie Recycling als eine essentielle Aufgabe ansieht. Obwohl sie sich nach einer Woche an die Arbeitsbedingungen gewöhnt hat, regt sie sich gelegentlich über unsachgemäße Entsorgung auf. Über ihre Fundstücke, wie beispielsweise geklaute Portemonnaies, die sie zurückgibt, wenn Papiere darin sind, spricht sie mit einem Augenzwinkern.
Die Vielfalt der Abfälle und ihre Verwertung
Ein erheblicher Teil des Sortiermaterials besteht aus Keramik, Steingut und Porzellan, die beim Wiedereinschmelzen Probleme verursachen können. Laut Angaben des Umweltbundesamtes (UBA) wurden in Deutschland 2023 rund 6,883 Millionen Tonnen Glas produziert. Davon wurden 3,928 Millionen Tonnen zu Behälterglas, 1,938 Millionen Tonnen zu Flachglas und 332.300 Tonnen zu speziellen Gläsern verarbeitet. Das Recycling von Glas ist grundlegend, da es unendlich recycelbar ist und im Schmelzprozess zurückgeführt werden kann.
Die effiziente Verarbeitung von Altglas verringert den Energiebedarf, wobei sich der Bedarf um etwa 0,2 bis 0,3 % senkt, wenn 1 % Altglas dem Schmelzofen zugefügt wird. Darüber hinaus spart recyceltes Glas wertvolle Rohstoffe wie Quarzsand, Soda und Kalk und senkt die Umweltbelastungen. Für die Herstellung von weißem Behälterglas ist eine Farbreinheit von 99,7 % erforderlich, was die Bedeutung einer sorgfältigen Sortierung unterstreicht. Um diese Qualitätsstandards zu gewährleisten, wird bereits beim Verbraucher eine vorsortierte Sammlung angestrebt.
Der Weg zur Expertenkarriere
Gessner, die seit 13 Jahren bei GRN tätig ist, begann ihre Karriere als Putzfrau und stieg bis zur Vorsortierung und Qualitätskontrolle im Labor auf. Ihr Engagement zahlt sich aus, denn sie hat sogar einen Staplerschein gemacht und wird in das Büro eingearbeitet. Sie betont die kollegiale Atmosphäre und die Aufstiegschancen im Unternehmen, die durch die gemeinsam bewältigten Herausforderungen immer wieder neu gestärkt wird. Die Branche stellt hohe Anforderungen, doch Gessner ist bereit, sich diesen zu stellen.
Die Behälterglasverwertung zeigt, dass in Deutschland ein flächendeckendes Sammelsystem für Altglas existiert, das bereits seit 1974 implementiert ist. Mit über 250.000 Altglascontainern im Einsatz wurde 2006 eine Verwertungsquote von 83,6 % erreicht. Im Jahr 2021 lag die Quote zwar bei etwas niedrigeren 80,3 %, jedoch ist die Bedeutung dieser Rückgewinnung nicht zu unterschätzen. Die Aufbereitung von Altglas siebt auch Ausschussmaterial wie Scherben, die für eine effizientere Nutzung in der Zukunft wiederverwendet werden können.
Für weitere Informationen zur Verwertung von Glas und den aktuellen Entwicklungen in der Recyclingbranche sind die Websites des Umweltbundesamtes und des BMUV hilfreich. Diese bieten umfassende Statistiken und Einblicke in die Recycling-Strukturen in Deutschland.