
Die Siegel- und Wappensammlung von Theodor Koch-Grünberg hat vor wenigen Tagen ein bedeutendes Kapitel ihrer Geschichte erfahren. Am 3. April 2025 kehrten rund 2.900 restaurierte Abdrücke aus der Restaurierungswerkstatt Paperminz in Leipzig an die Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) zurück. Diese Sammlung, die aus mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Siegeln mit besonderem Fokus auf die Zeit vom 9. bis zum 18. Jahrhundert reicht, ist ein wahres Zeugnis der kulturhistorischen Forschung.
Die Rückkehr der Exponate wurde von Historikern begleitet, darunter Prof. Dr. Stefan Tebruck, die JLU-Sammlungskoordinatorin Dr. Alissa Theiß sowie Dr. Joachim Hendel, der Leiter des Universitätsarchivs. Die umfassende Restaurierung, die Kosten in Höhe von rund 22.000 Euro verursachte, wurde durch Drittmittel finanziert, unter anderem durch die Koordinierungsstelle Bestandserhaltung Hessen sowie durch den Freundeskreis Museum Grünberg und die Gießener Hochschulgesellschaft.
Eine wertvolle Sammlung
Die Sammlung von Koch-Grünberg besteht nicht nur aus Siegeln, sondern umfasst auch Siegelmarken aus Papier, Wappenzeichnungen und handschriftliche Aufzeichnungen, die die Sammlertätigkeit des späten 19. Jahrhunderts dokumentieren. Diese Artefakte stammen von bedeutenden Adelsgeschlechtern und beinhalten Kaiser-, Königs-, Bischofs- und Fürstensiegel sowie Wappensiegel. Sie bieten Historikern wertvolle Einblicke in die Echtheit von Dokumenten und das soziale Umfeld der damaligen Zeit, da Siegel im Mittelalter als Beglaubigungsmittel dienten.
Die Existenz der Sammlung war lange Zeit unbekannt und die Anzahl der Siegel wurde zunächst für wesentlich kleiner gehalten. Die Sammlung ist nicht nur von regionaler, sondern auch von europäischer Bedeutung, wie erzbistum-koeln.de berichtet. Siegel sind für Historiker unverzichtbare Forschungsressourcen, die helfen, Fragen der Echtheit von Urkunden zu klären und die Entwicklung von Stilen über Jahrhunderte hinweg zu verstehen. Die Ursprünge der Siegeltechnik reichen bis ins 4. Jahrtausend vor Christus zurück, insbesondere zu den Hochkulturen des Zweistromlandes.
Bedeutung für die Forschung
Theodor Koch-Grünberg (1872–1924), der die Anfänge der Ethnologie prägte, hatte seine Sammlung mit dem Ziel angelegt, die Vielschichtigkeit menschlicher Kulturen festzuhalten. Die Sammlung C ist daher besonders bedeutend für die kulturgeschichtliche Forschung sowie die historische Medienkunde. Die kunstvoll gestalteten Siegel fungieren nicht nur als Bedeutungsträger, sie erzählen auch viel über die Persönlichkeit und das Selbstverständnis der Siegelführer.
Die jüngsten Restaurierungsarbeiten an dieser einzigartigen Sammlung sind somit ein bedeutsamer Schritt, um ihr Erbe für zukünftige Generationen zu bewahren. Der historische Kontext und die handwerklichen Fähigkeiten, die in die Herstellung der Siegel eingeflossen sind, machen die Sammlung zu einem wichtigen Bestandteil der Geschichtsforschung an der JLU und darüber hinaus. Durch die Kombination von historischen Werten und modernem Restaurationswissen wird sichergestellt, dass die Erzählungen, die diese Siegel in sich tragen, weiterhin gehört werden.