
Forschende der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) und des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) koordinieren ein bedeutendes europäisches Forschungsprojekt mit dem Ziel, neue Standards für die Diagnostik und Behandlung von chronisch-entzündlichen Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis (RA) und chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) zu entwickeln. Das Projekt, das unter dem Namen PerPrev-CID firmiert, erhält eine Förderung von 11 Millionen Euro aus dem Programm „Horizon Europe“ der Europäischen Union und wird zusätzlich von der Schweizer Regierung mit 2,5 Millionen Euro unterstützt.
Insgesamt sind 15 internationale Forschungseinrichtungen aus acht Ländern an dem Projekt beteiligt, das am 1. Januar 2025 offiziell startete und über einen Zeitraum von fünf Jahren laufen wird. Die Forscher verfolgen das Ziel, die frühe Krankheitsentwicklung zu erkennen und innovative Werkzeuge zur frühzeitigen Identifikation und Behandlung von Krankheitsrisiken zu entwickeln. Dabei stehen Mechanismen, Biomarker und patientenzentrierte Ergebnisindikatoren im Fokus.
Konkrete Forschungsansätze und Ziele
Im Rahmen der Studie sollen Omics-Analysen, darunter Genomics, Lipidomics, Metabolomics und Proteomics, genutzt werden, um Merkmale zu identifizieren, die Krankheitsverläufe vorhersagen können. Ein weiterer zentraler Aspekt ist die Entwicklung sicherer digitaler Gesundheitstechnologien, wie Wearables und Apps, zur kontinuierlichen Überwachung von Gesundheitsdaten. Darüber hinaus wird die Untersuchung der Wirksamkeit von Ernährungsumstellungen, die speziell auf den Tryptophan-Stoffwechsel abzielen, Bestandteil des Projekts sein.
Die Forscher betonen auch die Bedeutung der Patientenbeteiligung im Forschungsprozess und streben an, medizinischen Fachkräften wissenschaftlich validierte Daten zu Ernährung und Lebensstil zur Verfügung zu stellen. Prognosen zeigen, dass bis 2030 mehr als 10 % der europäischen Bevölkerung von chronisch-entzündlichen Erkrankungen betroffen sein werden, was die Dringlichkeit der Forschungsbemühungen unterstreicht.
Zusätzlich wurden in der Pharmazeutischen Zeitung Forschungsergebnisse präsentiert, die den Zusammenhang zwischen der rheumatoiden Arthritis und dem Darm beleuchten. Es wurde festgestellt, dass Veränderungen des intestinalen Mikrobioms im Krankheitsgeschehen der RA eine Rolle spielen und dass Störungen der Darmflora frühzeitig relevant sind. Hohe Zonulin-Werte, die mit einer undichten Darmbarriere sowie Dysbiose verbunden sind, könnten zur Entstehung weiterer Autoimmunerkrankungen führen, was die Komplexität der Behandlung dieser Erkrankungen verdeutlicht, wie pharmazeutische-zeitung.de berichtet.