
Die Schufa, als Deutschlands größte Auskunftei, steht vor grundsätzlichen Veränderungen in ihrem Bonitätsprüfverfahren. Ab dem vierten Quartal 2025 wird ein neues Scoring-Modell eingeführt, das verspricht, mehr Transparenz für Verbraucher zu schaffen. Der Schritt ist notwendig geworden, insbesondere nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) im Jahr 2023, das festgestellt hat, dass das bisherige Verfahren gegen die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) verstößt. Diese Reform zielt darauf ab, den Verbrauchern die Möglichkeit zu geben, die Kriterien, die ihren Schufa-Score beeinflussen, besser nachvollziehen zu können.
Das aktuelle Scoring-System beruht auf über 250 verschiedenen Faktoren, zu denen unter anderem Girokonten, Kreditkarten, Leasingverträge und Zahlungsausfälle zählen. Der Schufa-Score selbst reicht von 0 bis 100, wobei ein höherer Wert für eine bessere Bonität steht. Bisher wurde die mangelnde Transparenz des Verfahrens von Verbraucherschützern kritisiert. Mit den Neuerungen wird die Schufa eine „Transparenzoffensive“ starten. Verbraucher werden künftig einsehen können, wie ihr eigenes Verhalten den Score beeinflusst.
Neue Maßstäbe für die Bonitätsprüfung
Der neue Schufa-Score baut auf 12 klar definierten Kriterien auf, die ausgewählt wurden, um das Zahlungsverhalten realistischer abzubilden. Zu den Kriterien gehören:
- Alter der ältesten Kreditkarte
- Alter der aktuellen Adresse
- Anzahl von Anfragen und Abschlüssen für Girokonten und Kreditkarten in den letzten 12 Monaten
- Kredit mit der längsten Restlaufzeit
- Anzahl von Anfragen im Bereich Telekommunikation und Online-Handel in den letzten 12 Monaten
- Alter des ältesten Bankvertrags
- Aufgenommene Ratenkredite in den letzten 12 Monaten
- Kreditstatus
- Vorliegen einer Identitätsprüfung
- Jüngster Rahmenkredit
- Zahlungsstörungen
In Ergänzung dazu werden Einträge zu verspäteten Zahlungen nach 18 Monaten gelöscht, vorausgesetzt, die Forderung wurde innerhalb von 100 Tagen beglichen, und es liegen keine weiteren negativen Einträge vor. Diese Maßnahmen sollen nicht nur den Verbrauchern zugutekommen, sondern auch den Unternehmen, die auf Schufa-Daten angewiesen sind, um Entscheidungen über Kreditvergaben zu treffen.
Transparenz und Nutzerkonten
Ein zentraler Bestandteil der neuen Reform ist der Schufa-Score-Simulator. Dieser ist bereits verfügbar und ermöglicht es Verbrauchern, die Auswirkungen von verschiedenen Änderungen auf ihren Score zu simulieren. Der Zugang zum neuen Score wird für Verbraucher kostenfrei über die Schufa-App sowie online erhältlich sein. Des Weiteren plant die Schufa, einen persönlichen Nutzeraccount, den „SCHUFA-Account“, einzuführen, um zusätzliche Funktionen zur Bonität zu bieten.
Der neue Schufa-Score stellt einen bedeutenden Schritt in Richtung Transparenz dar. Verbraucherschützer haben wiederholt die Notwendigkeit betont, dass Auskunfteien wie die Schufa Daten verständlich aufbereiten müssen. Dabei dürfen Informationen über Beruf, Gehalt oder persönliche Lebensumstände nicht in das Scoring-Profil aufgenommen werden. Die Schufa hat Informationen zu etwa 68 Millionen Menschen in Deutschland, von denen über 90% positive Daten enthalten. Dennoch bleibt die Verantwortung für Entscheidungen bei den Unternehmen selbst, die alle Informationen zusammenführen.
Mit diesen Änderungen hofft die Schufa, das Vertrauen der Verbraucher stärken zu können und die Bonitätsprüfung fairer und transparenter zu gestalten. Die Bereitschaft zur Anpassung ist auch eine Reaktion auf die wachsenden Forderungen nach mehr Informationen und Nachvollziehbarkeit im Umgang mit persönlichen Daten.
Für detaillierte Informationen zu den Änderungen und dem neuen Modell können Verbraucher die Berichte auf Merkur und Tagesschau einsehen. Auch die Verbraucherzentrale bietet umfassende Informationen zum Thema Bonitätsprüfung unter Verbraucherzentrale.