
Der tödliche Messerangriff auf eine 28-Jährige in Berlin-Friedrichsfelde vor etwa sieben Monaten zieht nun die rechtlichen Konsequenzen nach sich. Der Ex-Partner der Frau, ein 46-jähriger türkischer Staatsangehöriger, steht seit heute Vormittag aufgrund des mutmaßlichen Mordes vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft sieht in diesem Fall einen Femizid, definiert als die Tötung einer Frau aufgrund ihres Geschlechts, und betont die strukturellen Dimensionen, die diesem Verbrechen zugrunde liegen. Laut faz.net wurde der Angeklagte von massiver Eifersucht und einem übersteigerten Besitzdenken getrieben, nachdem sich die Frau wenige Monate vor der Tat von ihm getrennt hatte.
Der brutale Angriff ereignete sich am Abend des 30. August 2024. Die 28-Jährige wurde mit zahlreichen Stich- und Schnittverletzungen im Hausflur eines Mehrfamilienhauses aufgefunden und erlag kurz nach ihrer Einlieferung ins Krankenhaus ihren Verletzungen. Diese tragische Tat wirft erneut ein Schlaglicht auf das Thema Femizide in Deutschland, das laut bpb.de ein alarmierendes Problem darstellt. Im Jahr 2023 wurden 155 Frauen durch ihren (Ex-)Partner getötet, was einen Anstieg im Vergleich zu den Vorjahren zeigt.
Die Frage des Femizids
Die Staatsanwaltschaft geht im aktuellen Fall von einem Femizid aus, was bedeutet, dass die Tötung der Frau durch ihre Partnerschaft mit dem Angeklagten motiviert war. Femizide sind oft durch hierarchische Geschlechterverhältnisse geprägt und können in (Ex-)Partnerschaften oder auch außerhalb stattfinden. Der Begriff hebt die strukturelle Dimension der Gewalt gegen Frauen hervor und verdeutlicht, dass viele solcher Taten nicht nur Einzelfälle sind, sondern in einem umfassenderen gesellschaftlichen Kontext stehen.
Das Bundeskriminalamt (BKA) weist darauf hin, dass es bislang an einer bundeseinheitlichen Definition von Femizid fehlt. Die Motive hinter den Taten werden in der Kriminalstatistik nicht erfasst, was die Analyse und Bekämpfung dieser Gewalt erschwert. Gewalt gegen Frauen kann viele Formen annehmen, darunter psychische, körperliche, sexualisierte und wirtschaftliche Gewalt. Auch trans*Frauen sind häufig betroffen, werden jedoch in vielen Statistiken oft nicht berücksichtigt.
Ein langer Prozess
Der Prozess gegen den 46-jährigen Angeklagten hat bislang elf Verhandlungstage angesetzt und wird mit Spannung verfolgt. Die Tat und deren Umstände werfen grundlegende Fragen auf über die gesellschaftlichen Strukturen, die solche Gewalt ermöglichen und fördern. Wie kann die Prävention von Femiziden verbessert werden? Welche Rolle spielen Medienberichterstattung und rechtliche Verfolgung? Diese und ähnliche Fragen bleiben im Raum und tragen zur Dringlichkeit des Themas bei.